Das Wiener Hof-Operntheater: (Separat-Abdruck aus dem "Botschafter") Richard Wagner jan. de 1863 · Gerold & Sohn


Das Wiener Hof-Operntheater: (Separat-Abdruck aus dem "Botschafter")
Richard Wagner

jan. de 1863 · Gerold & Sohn


Dem mir befreundeten Redakteur des „Botschafter“ war vor längerer Zeit schon näher bekannt geworden, wie angelegentlich ich mich mit Reformplänen für das Theater überhaupt trug, als eine neuerliche vertraute Unterhaltung uns Veranlassung gab, im Besonderen die Möglichkeiten einer gedeihlichen Wirksamkeit des kaiserlichen Hofoperntheaters in Betracht zu ziehen: meine Ansichten und Rathschläge dünkten meinem Freunde so leichtverständlich und praktisch, daß er wünschte, ich möchte das Gesagte schriftlich für den „Botschafter“ näher ausführen.

Ich versprach dies; doch auch seitdem verging eine geraume Zeit. Es ist immer mißlich für den Sachverständigen, sich nicht gegen die kompetenten Behörden, die etwa seine Meinung über einen vorliegenden Fall zu hören verlangten, sondern publizistisch auf das Gerathewohl über Dinge auszusprechen, die, weil sie auf eine bedenkliche Weise dem Gefallen oder Nichtgefallen aller Welt offen liegen, jeder verdorbene Literat, Musikant oder sonstige Praktikant ebenso gut und besser als er zu verstehen glaubt. Immer bleibt dies aber der einzige Weg zur Uebermittelung seiner Meinung an das Urtheil der Wenigen, welche auch einem anscheinend frivolen Gegenstande eine ernste Untersuchung zuzuwenden sich gewöhnt haben, da diese, wie es sich nun einmal oft fügt, den kompetenten Behörden, namentlich bei Theaterangelegenheiten, am wenigsten zugesellt werden, und daher nur durch einen Griff in die Allgemeinheit des lesenden Publikums zu erfassen und zu finden sind.

In dieser üblen Stellung, die dem ernsten Künstler oder Kunstfreunde bereitet ist, liegt, genau betrachtet, die ganze Verurtheilung der bisherigen Wirksamkeit, namentlich unseres Operntheaters enthalten. Diese zu überwachen, und über sie zu stimmen, ist einzig Leuten überlassen, die keine eigentliche Kenntniß und Erfahrung von der Sache haben, und in dieser Hinsicht konstatire ich, um genau zu bezeichnen, was ich meine, z. B. den Umstand, daß von Seiten der Redaktionen der großen Journale, während im politischen Theile mit Sorgfalt nach bestimmten Normen der Parteistellung verfahren wird, das Theater, und namentlich die Musik, gänzlich ohne Berücksichtigung der sonstigen Tendenz des Blattes allermeistens in der Weise preisgegeben wird, daß der leichtsinnigste Schwätzer und Witzling gerade am Liebsten dort zugelassen ist.

Genau genommen bekümmert außer Diesem sich aber Niemand um die Wirksamkeit der Theater, und namentlich ist es auffallend, daß man nie daran denkt, den obersten Verwaltungsbehörden der subventionirten Theater wirklich Sachverständige beizugeben, welche die Wirksamkeit des Theaters in dem Sinne zu überwachen hätten, in welchem andererseits einzig Subventionen gerechtfertigt sein können.

Hier dünkt mich nämlich zu allererst ein großer Unterschied darin zu bestehen, was man von der Wirksamkeit eines subventionirten und der eines nicht-subventionirten Theaters zu fordern hat. Alles, was der ernstere Kunstfreund im Hinblick auf die Wirksamkeit des Theaters bedauert, kann sich verständiger Weise wohl nur auf die höheren Ortes subventionirten Theater erstrecken. Ein nicht-subventionirtes Theater ist dagegen zunächst eine gewerbliche Anstalt, deren Ausbeuter, sobald die Polizei gegen ihr Treiben nichts einzuwenden hat, im Grunde genommen Niemand als ihren Kunden verantwortlich sind: das Kommen oder Ausbleiben der Theaterbesucher ist das Kriterium ihrer Leistungen; und zu den Geschmackskundgebungen ihres Publikums steht die Wirksamkeit der gewöhnlichen Theaterrezensenten in ganz richtigem Verhältniß; beide gleichen sich vollständig aus, denn hier herrschen nicht die Forderungen der Kunst, sondern die des persönlichen Beliebens. Daß es nun ganz ebenso auch mit den subventionirten Theatern steht ist eben das Traurige; noch trauriger ist es aber, daß es hier dadurch noch schlimmer steht: denn die Subvention dient hier nur dazu, den dort unerläßlichen geschärften Sinn für spekulative Thätigkeit und Initiative zu schwächen, da die Nothwendigkeit des Geldgewinnes nicht mit dazu antreibt. Ersichtlich findet also hier ein großer Fehler statt: es sollte nämlich mit der Ertheilung der Subvention klar und bestimmt auch ausbedungen werden, worin sich die Wirksamkeit dieses Theaters von derjenigen der nicht-subventionirten Theater zu unterscheiden habe; den höheren Verwaltungsbehörden sollte es aber einzig zufallen, die genaue Einhaltung dieser Bedingungen zu überwachen. Je seltener wirklicher Geist und wahrer Kunstverstand ist, je weniger demnach darauf zu rechnen ist zu jeder Zeit diejenigen Männer zu finden, welche ganz aus eigenem Ermessen jene gemeinte höhere Ueberwachung ausüben könnten, desto sorgfältiger müßten demnach diese höheren Forderungen selbst berathen und in der Form klarer, leichtverständlicher Institutionen festgestellt werden.

Wenn ich nun hier im Sinne habe, meiner Erfahrung und Kenntniß gemäß, solche Institutionen speziell für das k. k. Hofoperntheater in Vorschlag zu bringen, so habe ich zur Feststellung des obersten Grundsatzes für dieselben glücklicherweise nur die Restitution desjenigen nöthig, welchen eben ein erlauchter österreichischer Kunstfreund, der Kaiser Josef II. für die Führung des Theaters einst feststellte. Es ist nicht möglich, diesen Grundsatz umfassender und zugleich schärfer auszudrücken, als es der erhabene Gründer der beiden kaiserlichen Hoftheater that, indem er die geforderte Wirksamkeit derselben einzig darein setzte: „Zur Veredlung der Sitten und des Geschmacks der Nation beizutragen“.*) Kommt es nun, sobald dieser Grundsatz auch für das Hofoperntheater ernstlich wieder hergestellt werden sollte, darauf an, diejenigen Institutionen festzustellen, welche diesen Grundsatz für alle Zeiten stützen könnten, und habe ich im Sinne, diese hiemit aufzuzeichnen, so glaube ich zunächst in Kürze den Zustand beleuchten zu müssen, in welchen dieses Theater durch Aufgeben jenes obersten Grundsatzes gelangt ist: ich darf hoffen, daß aus der Aufhebung der üblen Maximen, nach welchen es gegenwärtig geleitet wird, dann einfach die Feststellung der gemeinten heilsamen Institutionen sich ergeben werde.

Betrachten wir die Wirksamkeit eines der allerersten musikalisch-dramatischen Kunstinstitute Deutschlands, des k. k. Hofoperntheaters, von Außen, so haben wir ein buntes, wirres Durcheinander von Vorführungen der allerverschiedensten Art, aus den Gebieten der entgegengesetztesten Stylarten, vor uns, von denen sich zunächst nur das Eine klar herausstellt, daß keine der Aufführungen in irgend welcher Hinsicht den Stempel der Korrektheit an sich trägt, den Grund, weshalb sie zu Stande kommt, somit gar nicht in sich, sondern in einer äußeren fatalen Nöthigung zu haben scheint. Es ist unmöglich eine Aufführung nachzuweisen, in welcher sich Zweck und Mittel vollkommen in Uebereinstimmung gefunden hätten, in welcher daher nicht das mangelhafte Talent, die fehlerhafte Ausbildung, oder die ungeeignete Verwendung einzelner Sänger, ungenügende Vorbereitung und daraus entstehende Unsicherheit anderer, rohe und charakterlose Vortragsmanieren der Chöre, grobe Fehler in der szenischen Darstellung, meist gänzlich mangelnde Anordnung in der dramatischen Aktion, rohes und sinnloses Spiel Einzelner, endlich große Unrichtigkeiten und Fahrlässigkeiten in der rein musikalischen Auffassung und Wiedergabe, Vernachlässigungen in der Nuancirung, Unübereinstimmung des Vortrages des Orchesters mit dem der Sänger – irgendwo mehr oder minder störend und gar verlesend hervorgetreten wären.

Die meisten dieser Aufführungen tragen den Charakter eines rücksichtslosen Sichgehenlassens, gegen welches dann das Bemühen einzelner Sänger, durch gewaltsames Heraustreten aus dem künstlerischen Rahmen besonderen Beifall für Einzelnheiten ihrer Leistungen zu gewinnen, desto widerwärtiger absticht, und dem Ganzen etwas geradezu Lächerliches gibt. Sollte das Publikum, zu sehr an den Charakter dieser Aufführungen gewöhnt, endlich gar nichts mehr hiervon gewahren, so daß die von mir verklagte Eigenschaft derselben von Opernbesuchern geläugnet werden sollte, so wären dagegen nur die Sänger und Musiker des Theaters selbst zu befragen, und von Allen würde man bestätigt hören, wie demoralisirt sie sich vorkommen, wie sie den üblen Charakter ihrer gemeinsamen Leistungen sehr wohl selbst kennen, und mit welchem Unmuth sie meistens an solche Aufführungen gehen, welche, ungenügend vorbereitet, voraussichtlich fehlerhaft ausfallen müssen.






Meu amigo, editor do "Ambassador", já sabia há tempos do meu profundo interesse em reformar o teatro em geral. Uma conversa recente e íntima nos levou a considerar, em particular, as possibilidades para o funcionamento bem-sucedido da Ópera da Corte Imperial. Meus pontos de vista e conselhos pareceram tão claros e práticos para meu amigo que ele me pediu que os elaborasse por escrito para o "Ambassador".


Prometi fazê-lo; contudo, um tempo considerável se passou. É sempre arriscado para um especialista expressar sua opinião de forma leviana na imprensa, em vez de se dirigir às autoridades competentes que poderiam ter buscado sua orientação sobre um assunto específico. Tais assuntos, por serem tão abertos ao escrutínio público, são facilmente compreendidos por qualquer escritor, músico ou outro profissional corrupto. Esta, porém, continua sendo a única maneira de transmitir a própria opinião ao julgamento dos poucos que estão acostumados a examinar seriamente até mesmo assuntos aparentemente frívolos, já que esses indivíduos, como frequentemente acontece, são os menos propensos a estarem associados a autoridades competentes, particularmente em assuntos relacionados ao teatro, e, portanto, só podem ser alcançados e encontrados apelando ao público em geral. Nessa infeliz situação, que aguarda o artista sério ou o amante da arte, reside, após uma análise mais atenta, a condenação total do estado atual das coisas, especialmente do nosso teatro de ópera. A supervisão e a votação sobre esses assuntos são deixadas exclusivamente para aqueles que carecem de conhecimento e experiência genuínos no tema, e, a esse respeito, para especificar precisamente o que quero dizer, afirmo... Por exemplo, o fato de que, enquanto os editores dos principais jornais aderem cuidadosamente a certos padrões de filiação partidária em suas seções políticas, quase sempre abandonam o teatro, e especialmente a música, completamente sem levar em consideração a direção geral do jornal, de tal forma que o tagarela e o brincalhão mais frívolos são admitidos com a maior facilidade.


A rigor, porém, ninguém além disso parece se preocupar com a eficácia dos teatros, e é particularmente surpreendente que ninguém jamais considere designar especialistas para os mais altos órgãos administrativos dos teatros subsidiados — especialistas que poderiam monitorar a eficácia do teatro da maneira que, paradoxalmente, é a única justificativa para os subsídios.

Aqui, parece-me, existe uma diferença fundamental entre o que se espera da eficácia de um teatro subsidiado e de um não subsidiado. Tudo o que o verdadeiro apreciador de arte lamenta em relação à eficácia do teatro só pode, razoavelmente, aplicar-se aos teatros que recebem subsídios mais elevados. Um teatro não subsidiado, por outro lado, é primordialmente uma empresa comercial cujos exploradores, desde que a polícia não se oponha às suas atividades, não respondem essencialmente a ninguém além dos seus clientes: a presença ou ausência de espectadores é o critério do seu desempenho; e a eficácia dos críticos de teatro comuns é perfeitamente proporcional às expressões de gosto do seu público; os dois se equilibram completamente, pois aqui não são as exigências da arte que prevalecem, mas sim as do gosto pessoal. O triste é que o mesmo se aplica aos teatros subsidiados. Mais lamentável ainda, porém, é que isso só agrava a situação: pois o subsídio serve apenas para enfraquecer o indispensável e aguçado sentido de atividade especulativa e de iniciativa, uma vez que a necessidade de lucro financeiro não oferece qualquer incentivo. Claramente, está sendo cometido um grave erro: a concessão do subsídio deveria estipular, de forma clara e definitiva, como a eficácia deste teatro se diferenciará da de teatros não subsidiados; e deveria ser de responsabilidade exclusiva das autoridades administrativas superiores monitorar o cumprimento preciso dessas condições. Quanto mais raros forem o intelecto genuíno e a compreensão artística, e quanto menos provável for encontrar homens capazes de exercer essa supervisão superior por iniciativa própria, mais cuidadosamente esses requisitos superiores deverão ser deliberados e estabelecidos na forma de regulamentos claros e facilmente compreensíveis.


Se, de acordo com minha experiência e conhecimento, pretendo propor tais instituições especificamente para o Teatro de Ópera Imperial e da Corte Real, então, felizmente, para estabelecer o princípio supremo para elas, basta restaurar o princípio que um ilustre amante das artes austríaco, o Imperador José II, estabeleceu para a gestão do teatro. Não é possível expressar este princípio de forma mais abrangente e, ao mesmo tempo, mais incisiva do que o fez o ilustre fundador dos dois teatros da corte imperial, ao estipular sua eficácia necessária unicamente em: “Contribuir para o refinamento da moral e do gosto da nação”.[citaçao de Devrient's Geschichte der deutschen Schauspielkunst . ] Ora, se, assim que este princípio for seriamente restaurado para o teatro de ópera da corte, se tornar necessário identificar as instituições que poderiam sustentá-lo para sempre, e pretendo listá-las aqui, creio que devo primeiro esclarecer brevemente o estado em que este teatro se encontra por ter abandonado esse princípio supremo: posso esperar que, com a abolição das más máximas que o regem atualmente, o estabelecimento das instituições salutares pretendidas seja uma consequência natural.

Se analisarmos a eficácia de uma das primeiras instituições de arte musical-dramática da Alemanha, o Teatro de Ópera da Corte Imperial e Real, a partir de uma perspectiva externa, deparamo-nos com uma mistura colorida e confusa de apresentações dos mais variados tipos, provenientes dos estilos mais contrastantes, das quais apenas uma coisa fica inicialmente clara: nenhuma das apresentações ostenta o selo da correção em qualquer aspecto, e a razão para isso não parece residir nelas mesmas, mas sim em uma necessidade externa e fatal. É impossível encontrar uma apresentação em que propósito e meios estivessem perfeitamente alinhados, em que, portanto, a falta de talento, o treinamento falho ou o uso inadequado de cantores individuais, a preparação insuficiente e a consequente insegurança de outros, os estilos de atuação grosseiros e sem personalidade dos coros, os erros crassos na encenação, a frequente falta de coordenação na ação dramática, a atuação grosseira e insensata de alguns indivíduos e, finalmente, imprecisões e negligências significativas na concepção e execução puramente musical, descuidos de nuances e a incongruência entre a performance da orquestra e a dos cantores — todos esses elementos teriam sido mais ou menos perturbadores e até mesmo flagrantemente óbvios.


A maioria dessas apresentações carrega o caráter de um abandono imprudente, em contraste com os esforços de cantores individuais para obter aplausos especiais por aspectos particulares de suas performances, forçando-se a sair da estrutura artística, que se destacam ainda mais repugnantemente, conferindo ao conjunto um ar verdadeiramente ridículo. Caso o público, já habituado à natureza dessas apresentações, acabe por se tornar completamente alheio a elas, de modo que a qualidade que denunciei seja negada pelos frequentadores de ópera, então apenas os cantores e músicos do próprio teatro precisariam ser questionados, e todos eles confirmariam o quão desmoralizados se sentem, o quão conscientes estão da natureza deplorável de suas apresentações conjuntas e com que ressentimento costumam encarar tais apresentações, que, por serem insuficientemente preparadas, estão fadadas a serem falhas.

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