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Rede bei der Grundsteinlegung des provisorischen Festtheaters in Bayreuth

Meine Freunde und werthen Gönner! Durch Sie bin ich heute auf einen Platz gestellt, wie ihn gewiss noch nie vor mir ein Künstler einnahm. Sie glauben meiner Verheissung, den Deutschen ein ihnen eigenes Theater zu gründen, und geben mir die Mittel, dieses Theater in deutlichem Entwurfe vor Ihnen aufzurichten. Hierzu soll für das Erste das provisorische Gebäude dienen, zu welchem wir heute den Grundstein legen. Wenn wir uns hier zur Stelle wiedersehen, soll Sie dieser Bau begrüssen, in dessen charakteristischer Eigenschaft Sie sofort die Geschichte des Gedankens lesen werden, der in ihm sich verkörpert. Sie werden eine mit dem dürftigsten Materiale ausgeführte äussere Umschalung antreffen, die Ihnen im glücklichsten Falle die flüchtig gezimmerten Festhallen zurückrufen wird, welche in deutschen Städten zu Zeiten für Sänger- und ähnliche genossenschaftliche Festzusammenkünfte hergerichtet, und alsbald nach den Festtagen wieder abgetragen wurden. Was von diesem Gebäude jedoch auf einen da...

Am die Schwester Rosalie. Würzburg, den lllSS Dezember 33. Wurzburg, 11 December 1833

 Ich muss Dir gestehen, meine einzige Rosalie, dass Dein Brief einen unendlichen Eindruck auf mich gemacht hat, da er in einer Zeit kam, in der der einzige Grund meines Schweigens gegen Euch nur der war, dass ich vor einem gewissen Schamgefühl nicht wusste, wie ich vor Euch treten sollte. Ich musste beinah vermuthen, dass es Euch nach den Opfern, die Ihr mir gebracht hattet, äusserst unangenehm sei, den Zweck derselben nicht erreicht zu sehen, und Ihr mir vielleicht gar Qber die Art und Weise zürntet, mit der ich Huch Nachricht über jene fehlgeschlagene Erwartung gab. Ach, ich war gewissermassen so niedergedrückt, wenn ich Eurer gedachte, wenn ich zu fühlen glaubte, wie Ihr Euch den Zweck meines Aufenthaltes dahier vorstelltet, über dessen Erfolg Ihr doch noch so gar keine Ahnung haben konntet. Ich kann Dir gar nicht beschreiben, wie sehr mich dergleichen beängstigende Vorstellungen quälten, je grösser ihr Kontrast war mit den Gefühlen, mit denen mich meine täglichen Arbeiten an me...

Entwurf zur Organisation eines deutschen National-Theaters für das Königreich Sachsen. 1849

Die Mittheilung der vorliegenden, ziemlich umfangreichen Arbeit dürfte manchen meiner Leser belästigen, denn, will er mir überall hin folgen, so hat er dießmal mit mir sich auf ein ziemlich trockenes Feld zu verlieren, auf welchem es bis zur Berechnung in Zahlen kommt. Vielleicht rührt es ihn aber, mich selbst zu der Nöthigung auf solchem Gebiete mir ein Heil für meine Kunst aufzusuchen, gedrängt zu sehen, und scheuet die Mühe anzuerkennen, welche ich mir vor Zeiten bereits gab, um dieser Kunst einen würdigen Boden im Staate selbst zu verschaffen. Gewiß dürfte vor Allem Viele es angehen, einige Kenntniß von der Veranlassung zu dieser Arbeit und namentlich von dem Schicksale derselben zu gewinnen. Es war in der Zeit vom Jahre 1848 zu 1849, wo Alles auf Reform gerichtet zu sein schien, als ich meine Gedanken darüber ausbildete, wie auch das Theater und die Musik durch jenen Geist gehoben werden könnten. Diese Gedanken zu einem vollständigen Reorganisations-Entwurfe im Betreff des Dresde...