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carta Wagner Semper 13 Dez. 1864

  327. AN GOTTFRIED SEMPER IN ZÜRICH MÜNCHEN, DIENSTAG, 13. Dezember 1864   München. 21 Briennerstrasse. 13 Dez. 1864 Lieber Semper! Der König von Bayern wünscht, dass Du in seinem Auftrage in München ein grosses Theater, im edelsten Style, zu dem beson- dren Zwecke, den ich Dir sofort andeuten will, bauen sollst. Mein junger Beschützer hegt tief den Glauben an die Wahrhaf- tigkeit meines Ideales in Betreff eines dramatischen Kunstwerkes, welches sich vom modernen Schauspiele, wie von der Oper we- sentlich und wichtig unterscheidet. Um verständliche Aufführun- gen in diesem Style zu erzielen, will er mit mir vollständig von dem Versuche, dieselben in unser gewöhnliches Theaterrepertoir einzureihen, absehen, und beabsichtigt, das Ausnahmsweise sol- cher Aufführungen schon damit genau zu bezeichnen, dass sie nicht in dem täglich besuchten Operntheater, sondern in einem eigens für sie errichteten, nur zu diesem Zwecke bestimmten, be- sondren Theater, in Zukunft statt finden solle...

Semper Das Königliche Hoftheater zu Dresden: mit zwölf Kupfertafeln. Braunschweig: Vieweg, 1849.

  Allgemeines   über die   Einrichtung des Dresdner Theaters. Der in dem Vorberichte erwähnte ursprüngliche Entwurf eines Schauspielhauses für Dresden wich in mehrfacher Beziehung von demjenigen ab,  welcher  wirklich zur Ausführung gekommen ist. Schon der Umstand, dass das alte Theater, auf dessen Stelle der Baumeister das neue aufzuführen beabsichtigte, bis zu der Vollendung des letzteren dem Gebrauche geöffnet bleiben sollte, verursachte ein Abweichen von der ursprünglichen Annahme in Beziehung auf die Lage des Gebäudes und dessen Näherrücken an den Zwinger, wodurch der  architectonischen  Wirkung des Gebäudes von Seiten der Brücke und des Schlosses Abbruch geschehen, und die  Gesammtanlage  wesentlich gestört wurde. Aber abgesehen von diesen  äusseren  Anlässen zu Abweichungen von der ursprünglichen Idee, mussten die in dem ersten Entwurfe niedergelegten  Ueberzeugungen  des  Architecten  über die  zweck...

carta Joseph Wagner 3/12/1842

 (Dresden, 3. December 1842.) Bester Bruder, je weniger ich meines langen Schweigens wegen zu entschuldigen bin, desto mehr muss ich Dich bitten, gegen mich Nachsicht zu üben, da wir sonst unmöglich ins Reine kommen könnten. Der Vorwurf des Hochmuthes, meintest Du ihn ernstlich, würde mich nur treffen können, wenn ich plötzlich wahnsinnig geworden wäre: hätte ich Anlage zum Hochmuth, so hätte ich ebenso gut vor meinem Dresdner Erfolge hochmüthig sein müssen, als nach demselben, da ich mir einbilde vorher ganz eben derselbe gewesen zu sein als nachher: was dazwischen liegt, ist das Glück, — auf ein Glück kann ich mir aber nichts zu gut thun. — Dummes Zeug! Könntest Du einen Blick in mein jetziges und letztverflossenes Leben werfen, so würdest Du schnell begreifen, wie es kommen konnte, dass ich eine so lange Zeit über nicht dazu gelangte, Dir einen ausführlichen Brief — denn nur einen solchen solltest Du erhalten — zu schreiben. Von der Zerstreutheit, in die ich durch fortwährende A...

Carta August Rockel 1856

  Dein Brief  ,  liebster Freund  ,  hat mich keineswegs streitsüchtig gestimmt  ,  sondern mich vielmehr recht darin bestärkt  ,  daß  in der  Welt  mit  Disputiren nichts   aus zurichten  ist .  Sua carta, meu caro amigo, em nada me tornou argumentativo, mas sim reforçou minha convicção de que nada se conquista no mundo por meio de disputas. O que nos é verdadeiramente próprio não são os conceitos, mas as percepções: estas, porém, são tão nossas que jamais podemos nos alienar completamente delas, jamais comunicá-las plenamente, visto que mesmo a tentativa mais perfeita nesse sentido, a obra do artista, a obra de arte, é vista pelo outro apenas como ele a vê segundo sua própria natureza. Mas quão pouco pode o artista esperar ver sua própria percepção perfeitamente reproduzida na de outro, já que ele próprio se encontra diante de sua obra de arte, se é que ela o é de fato, como diante de um enigma, sobre o q...

carta Eduard Devrient, DresdenWeimar, 17. Mai 1849

 Eduard Devrient, DresdenWeimar, 17. Mai 1849 Theuerster freund!So lange ich die Dresdener erhebung zu verfolgen vermochte, war ich von vorn herein mit voller sympathie bei ihr, die ich zwar in keiner that – aber in der gesinnung gegen manchen einzelnen – nie gegen die menge (etwa als redner!) unverholen zu erkennen gab. Ich gewahrte nichts von den fabeln der rothen republik, sondern sah mit klaren offenen augen unter dem banner der »deutschen verfassung« (von dem ich gern zugeben will, daß die masse grade nicht um seinetwillen sich todtschießen ließ!) die ganz natürliche entrüstung des bürgers und des volkes gegen einen fürsten, der fremde truppen in sein land rufe zur bezwingung der öffentlichen meinung, sowie die ganz lokal patriotische wuth darüber, daß gerade »Preußen«, an die Sachsen schon so viel verloren – jetzt den rest des landes besetzen sollten. “(Aber) hier habe ich ersehen, daß wir alle keine revolutionäre sind, und ich am wenigsten: wir wollen die revolution um schne...

Carta Hanslick “Eduard Hanslick, WienDresden, 1. Januar 1847

“Eduard Hanslick, WienDresden, 1. Januar 1847” Trecho de Nimm meine ganze Seele zum Morgengruße Wagner, Wilhelm Richard;Mischke, Joachim; Ich kann nicht den besonderen Ehrgeiz haben, durch meine Musik meine Dichtung in den Schatten zu stellen, wohl aber würde ich mich zerstücken u. eine Lüge zu Tage bringen, wenn ich durch meine Dichtung der Musik Gewalt anthun wollte. Ich kann keinen dichterischen Stoff ergreifen, der sich nicht durch die Musik erst bedingt: mein Sängerkrieg, wenn das dichterische Element darin vorwaltet, war meiner höheren Absicht nach aber auch ohne Musik nicht möglich. – Ein Kunstwerk existirt aber auch nur dadurch, daß es zur Erscheinung kommt: dies Moment ist für das Drama die Aufführung auf der Bühne, – so weit es irgend in meinen Kräften steht, will ich auch diese beherrschen, u. ich stelle meine Wirksamkeit zu diesem Zwecke den übrigen Theilen meiner Productivität fast vollständig zur Seite.Eines noch ist wohl zu erwägen: da, wo die Musik mitwirkt, drängt sich...

Rede bei der Grundsteinlegung des provisorischen Festtheaters in Bayreuth

Meine Freunde und werthen Gönner! Durch Sie bin ich heute auf einen Platz gestellt, wie ihn gewiss noch nie vor mir ein Künstler einnahm. Sie glauben meiner Verheissung, den Deutschen ein ihnen eigenes Theater zu gründen, und geben mir die Mittel, dieses Theater in deutlichem Entwurfe vor Ihnen aufzurichten. Hierzu soll für das Erste das provisorische Gebäude dienen, zu welchem wir heute den Grundstein legen. Wenn wir uns hier zur Stelle wiedersehen, soll Sie dieser Bau begrüssen, in dessen charakteristischer Eigenschaft Sie sofort die Geschichte des Gedankens lesen werden, der in ihm sich verkörpert. Sie werden eine mit dem dürftigsten Materiale ausgeführte äussere Umschalung antreffen, die Ihnen im glücklichsten Falle die flüchtig gezimmerten Festhallen zurückrufen wird, welche in deutschen Städten zu Zeiten für Sänger- und ähnliche genossenschaftliche Festzusammenkünfte hergerichtet, und alsbald nach den Festtagen wieder abgetragen wurden. Was von diesem Gebäude jedoch auf einen da...