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[Autobiographische Skizze] laube

  [Autobiographische Skizze] Ich kenne diesen  jungen Musiker, der in zwei Monaten vermittelst des dresdner Theaters berühmt geworden ist, seit zehn Jahren. Sein unerschöpflich produktives Wesen, welches von einem lebhaften Geiste ununterbrochen bewegt und getrieben wird, hatte mich stets interessirt, und ich hatte stets gehofft, aus einer solchen mit unsrer heutigen Bildung erfüllten Persönlichkeit müsse eine tüchtige moderne Musik sich entwickeln. Abenteuerliche Schicksale, die ihn bis nach Rußland hinaus warfen, entrückten ihn auf einige Zeit meinem Blicke, und ich war nicht wenig erstaunt, ihn im Winter  1839  zu Paris plötzlich in mein Zimmer treten zu sehn. Das war doch die Verwegenheit eines Künstlers! Mit einer Frau, mit anderthalb Opern, mit kleiner Börse und einem furchtbar großen und furchtbar viel fressenden neufundländischen Hunde durch Meer und Sturm von der Düna stracks bis in die Seine zu fahren, um in Paris berühmt zu we...

[Etwas über dramatischen Gesang] Der dramatische Gesang. (1837.),

  [Etwas über dramatischen Gesang] „Etwas über dramatischen Gesang“  betitelt sich ein Essay von  Richard Wagner , der bisher noch nicht veröffentlicht, uns vom Besitzer der Handschrift zur Verfügung gestellt ist. Der Aufsatz stammt aus des Meisters jungen Jahren; er ist in Königsberg verfaßt und dürfte auch, abgesehen von dem Interesse, das sich an Alles knüpft, was Wagner geschrieben, der allgemeinen Beachtung werth erscheinen. Wir geben denselben in Folgendem wieder: „Es wird von uns Deutschen so viel Ungereimtes und Abgeschmacktes über Gesang gefaselt, daß sich schon daraus recht deutlich herausstellt, wie wenig uns im Allgemeinen die ächte Göttergabe des Gesanges verliehen ist. Was man nicht hat, davon spricht man am meisten, und anstatt  das , was uns fehlt, erkennen und erlernen zu wollen, suchen wir durch eine geschwätzige Filosofie uns ein  nonsens  vorzulügen, das wir, in Unkenntniß oder Selbsttäuschung befangen, endlich gar für das eigentliche Wa...

carta 59. Venedig 19. Jan. 59 Richard Wagner an Mathilde Wesendonk

Dank für das schöne Märchen, Freundin! Es wäre wohl erklärlich, wie Alles, was von Ihnen kommt, mir immer wie mit symbolischer Bedeutsamkeit eintritt. Grade gestern, zu der Stunde, in dem Augenblick, kam Ihr Gruss wie eine durch Zauber erzwungene Nothwendigkeit. Ich sass am Flügel; die alte goldene Feder spann ihr  letztes Gewebe über den zweiten Act des Tristan, und zeichnete eben mit zögerndem Verweilen die fliehenden Wonnen des ersten Wiedersehens meines liebenden Paares. Wenn ich, wie es eben beim Instrumentiren geschieht, mit letzter Beruhigung mich dem Genuss meiner eigenen Schöpfung hingebe, versinke ich zugleich oft in eine Unendlichkeit von Gedanken, die mir unwillkürlich die durchaus eigenthümliche, und der Welt ewig unverständliche Natur des Dichters, des Künstlers darstellen. Das Wunderbare, und der gewöhnlichen Lebensanschauung ganz Entgegengesetzte, erkenne ich dann recht deutlich darin, dass, während jene sich immer nur an der Handhabe der Erfahrung hinzieht und zusa...