Carta Barão Von Biedenfeld. 17/01/1849.
Fonte : Richard Wagners gesammelte Briefe. Julius Kapp e Emerich Kastner (orgs.). Leipzig: Hesse & Becker , p. 294-296, 1914.
Samtlichc Briefe, vol. 2. p. 636ff.
An Freiherrn von Biedenfeld, Weimar.
Dresden, 17. Januar 1849.
Hochgeehrter Herr! Mit größter Dankbarkeit erkenne ich Ihr freundliches Anerbieten an und bedaure nur, wenn es mir nicht möglich sein sollte, Ihnen die gewünschte Unterstüßung dazu geben zu können.
Die Arbeit selbst, um die es sich hierbei handelt, ist mir be-reits entfremdet, und ich besinne mich nur, daß mir an ihr mein künstlerisches Verfahren erst zum eigentlichen Bewußt-sein gekommen ist. Von jeher sträubte ich mich dagegen, den unermeßlichen Apparat von Handlung, Situation und Historie, unterstüßt durch die lebhafte Zutat aller irgend vorhandenen 1849.
Künste, als Malerei, Plastik, Gymnastik usw., lediglich dazu aufgewandt zu sehen, dem Publikum so und so viel schmeichelnde Melodien in das Gedächtnis zu prägen; ich überzeugte mich, daß der einzige, all diesem Auswande entsprechende Zweck doch nichts Geringeres als das dramatische Kunstwerk selbst sein dürfe und die Oper darin noch über dem Schauspiele stehe, daß sie zu allen Mitteln des Ausdrucks noch jenes allerreichste, mannig faltigste und unerschöpflichste der Musik hinzufüge. Nun konn-ten die Griechen und vielleicht selbst noch ein Teil unseres mittelalterlichen Dramas die Hilfe des musikalischen Ausdrucks dem Schauspiele angedeihen lassen, ohne dieses selbst in vielem Wesentlichen zu alterieren: seitdem aber in unserer Zeit die Helden der absoluten - das heißt von der Dichtkunst losge= trennten Musik und endlich namentlich Beethoven die Ausdrucksfähigkeit dieser Kunst, zumal durch das Orchester, zu einer völlig neuen, früher und selbst von Gluck kaum noch geahnten künstlerischen Potenz erhoben haben, wird allerdings der Einfluß der Musik auf das Drama von Wichtigkeit ge worden sein, da sie natürlicherweise Anspruch auf Entfaltung ihres Reichtums zu machen hat. Das Drama selbst mußte also für den Ausdruck sich erweitern, und diese dem Reichtum musikalischen Ausdrucks entsprechende Fähigkeit in ihm zu entdecken und fortzubilden, schien mir lediglich dem Musiker selbst möglich zu sein. Wenn ich somit den Musiker auch zum Dichter erhob, so konnte ich ihn um so weniger doch den eigentlichen Hauptzweck des Dramas selbst aus dem Auge verlieren lassen; denn um dieses höchsten aller künstlerischen Zwecke willen ward ja seine besondere Kunst - die Musik - eben nur mit herbeigezogen; und so mußte es mir als seine rechte Aufgabe er-scheinen: des Reichtums musikalischen Ausdruckes vollkommen gewiß und innerlichst bewußt, nun wiederum nichts anderes als das Drama selbst zu wollen, natürlich aber das Drama, welches ohne jenes musikalische Bewußtsein des Dichters nicht zum Vorschein kommen konnte. Um mich hierüber vollkommen deut-lich zu machen, verweise ich auf eine Hauptszene meines „Tannhäuser": den Sängerkrieg; offenbar mußte und konnte hier, zumal um die Katastrophe durch diese Szene herbeizuführen, nur die dichterische Absicht vorherrschen; die Sänger durch Gesangskünste, Verzierungen und Kadenzen sich überbieten zu lassen, hätte die Aufgabe eines Konzertstreites, nicht aber eines dramatischen Gedanken- und Empfindungskampfes sein können; wiederum aber konnte dieser Dichterstreit, in welchen sich das ganze volle Wesen der beteiligten Menschen einseht, in seiner dramatischen Wirkung ohne jene höchste und mannigfaltigste Kraft musikalischen Ausdruckes, wie ich sie meine, nicht ver-wirklicht werden, und zu meiner Befriedigung habe ich erfahren dürfen, daß gerade diese so gewagte Szene bei jeder Aufführung die lebhafteste und gesteigertste Teilnahme des Publikums in Anspruch nahm; ich hatte somit den Triumph, unser hierfür sehr entwöhntes Publikum in der Oper durch den Gedanken zu fassen, nicht bloß durch die Empfindung.
Daß ich es kurz noch einmal wiederhole: meine Richtung habe ich eingeschlagen als Musiker, der, von der Überzeugung des unerschöpflichen Reichtums der Musik ausgehend, das höchste Kunstwerk, nämlich: das Drama will. Ich sage will, um mein Streben zugleich mit anzudeuten, ob ich es kann, das vermag ich allerdings nicht zu beurteilen, und wenn ich mich irre, kann dies nur infolge meiner schwachen Befähigung, nicht aber meines richtigen Willens sein.
Ist es Ihren möglich, aus dieser kurzen Mitteilung eine Ansicht über das Wesen meiner Leistungen zu gewinnen, so kann es mir nur lieb sein; mehr Worte, jedoch nicht mehr Inhalt könnte ich Ihnen aber mitteilen. Nehmen Sie daher vorlieb und widmen Sie mir, wenn möglich, eine geneigte Teilnahme. Mit der Bitte, Liszt bestens von mir zu grüßen, ver-bleibe ich hochachtungsvoll
Ihr ergebenster Richard Wagner.
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An Freiherrn von Biedenfeld, Weimar. Dresden, 17. Januar 1849.
Hochgeehrter Herr! Mit größter Dankbarkeit erkenne ich Ihr freundliches Anerbieten an und bedaure nur, wenn es mir nicht möglich sein sollte, Ihnen die gewünschte Unterstützung dazu geben zu können.
Die Arbeit selbst, um die es sich hierbei handelt, ist mir bereits entfremdet, und ich besinne mich nur, daß mir an ihr mein künstlerisches Verfahren erst zum eigentlichen Bewußtsein gekommen ist. Von jeher sträubte ich mich dagegen, den unermeßlichen Apparat von Handlung, Situation und Historie, unterstützt durch die lebhafte Zutat aller irgend vorhandenen Künste, als Malerei, Plastik, Gymnastik usw., lediglich dazu aufgewandt zu sehen, dem Publikum so und so viel schmeichelnde Melodien in das Gedächtnis zu prägen; ich überzeugte mich, daß der einzige, all diesem Aufwande entsprechende Zweck doch nichts Geringeres als das dramatische Kunstwerk selbst sein dürfe und die Oper darin noch über dem Schauspiele stehe, daß sie zu allen Mitteln des Ausdrucks noch jenes allerreichste, mannigfaltigste und unerschöpflichste der Musik hinzufüge. Nun konnten die Griechen und vielleicht selbst noch ein Teil unseres mittelalterlichen Dramas die Hilfe des musikalischen Ausdrucks dem Schauspiele angedeihen lassen, ohne dieses selbst in vielem Wesentlichen zu alterieren: seitdem aber in unserer Zeit die Helden der absoluten – das heißt von der Dichtkunst losgetrennten Musik und endlich namentlich Beethoven die Ausdrucksfähigkeit dieser Kunst, zumal durch das Orchester, zu einer völlig neuen, früher und selbst von Gluck kaum noch geahnten künstlerischen Potenz erhoben haben, wird allerdings der Einfluß der Musik auf das Drama von Wichtigkeit geworden sein, da sie natürlicherweise Anspruch auf Entfaltung ihres Reichtums zu machen hat.
Das Drama selbst mußte also für den Ausdruck sich erweitern, und diese dem Reichtum musikalischen Ausdrucks entsprechende Fähigkeit in ihm zu entdecken und fortzubilden, schien mir lediglich dem Musiker selbst möglich zu sein. Wenn ich somit den Musiker auch zum Dichter erhob, so konnte ich ihn um so weniger doch den eigentlichen Hauptzweck des Dramas selbst aus dem Auge verlieren lassen; denn um dieses höchsten aller künstlerischen Zwecke willen ward ja seine besondere Kunst – die Musik – eben nur mit herbeigezogen; und so mußte es mir als seine rechte Aufgabe erscheinen: des Reichtums musikalischen Ausdruckes vollkommen gewiß und innerlichst bewußt, nun wiederum nichts anderes als das Drama selbst zu wollen, natürlich aber das Drama, welches ohne jenes musikalische Bewußtsein des Dichters nicht zum Vorschein kommen konnte.
Um mich hierüber vollkommen deutlich zu machen, verweise ich auf eine Hauptszene meines „Tannhäuser“: den Sängerkrieg; offenbar mußte und konnte hier, zumal um die Katastrophe durch diese Szene herbeizuführen, nur die dichterische Absicht vorherrschen; die Sänger durch Gesangskünste, Verzierungen und Kadenzen sich überbieten zu lassen, hätte die Aufgabe eines Konzertstreites, nicht aber eines dramatischen Gedanken- und Empfindungskampfes sein können; wiederum aber konnte dieser Dichterstreit, in welchen sich das ganze volle Wesen der beteiligten Menschen einsetzt, in seiner dramatischen Wirkung ohne jene höchste und mannigfaltigste Kraft musikalischen Ausdruckes, wie ich sie meine, nicht verwirklicht werden, und zu meiner Befriedigung habe ich erfahren dürfen, daß gerade diese so gewagte Szene bei jeder Aufführung die lebhafteste und gesteigertste Teilnahme des Publikums in Anspruch nahm; ich hatte somit den Triumph, unser hierfür sehr entwöhntes Publikum in der Oper durch den Gedanken zu fassen, nicht bloß durch die Empfindung.
Daß ich es kurz noch einmal wiederhole: meine Richtung habe ich eingeschlagen als Musiker, der, von der Überzeugung des unerschöpflichen Reichtums der Musik ausgehend, das höchste Kunstwerk, nämlich: das Drama will. Ich sage will, um mein Streben zugleich mit anzudeuten; ob ich es kann, das vermag ich allerdings nicht zu beurteilen, und wenn ich mich irre, kann dies nur infolge meiner schwachen Befähigung, nicht aber meines richtigen Willens sein.
Ist es Ihnen möglich, aus dieser kurzen Mitteilung eine Ansicht über das Wesen meiner Leistungen zu gewinnen, so kann es mir nur lieb sein; mehr Worte, jedoch nicht mehr Inhalt könnte ich Ihnen aber mitteilen. Nehmen Sie daher vorlieb und widmen Sie mir, wenn möglich, eine geneigte Teilnahme. Mit der Bitte, Liszt bestens von mir zu grüßen, verbleibe ich hochachtungsvoll
Ihr ergebenster
Richard Wagner.
Ao Barão von Biedenfeld, Weimar. Dresden, 17 de janeiro de 1849.
Prezado Senhor! Agradeço imensamente sua gentil oferta e lamento apenas não poder lhe conceder o apoio solicitado.
A obra em si, à qual me refiro, já se tornou estranha para mim, e lembro-me apenas de que foi por meio dela que meu método artístico realmente se manifestou. Sempre resisti à ideia de ver o imenso aparato de enredo, situação e história, sustentado pela vivacidade de todas as artes existentes — pintura, escultura, ginástica, etc. — aplicado meramente para imprimir um certo número de melodias agradáveis na memória do público. Convenci-me de que o único propósito compatível com todo esse esforço poderia ser nada menos que a própria obra de arte dramática, e que a ópera supera até mesmo o drama nesse aspecto, acrescentando a todos os outros meios de expressão o mais rico, variado e inesgotável de todos: a música. Ora, os gregos, e talvez até mesmo algumas de nossas peças teatrais medievais, foram capazes de utilizar a expressão musical no drama sem alterá-lo fundamentalmente. Contudo, visto que os heróis da música absoluta — isto é, da música dissociada da poesia — e especialmente Beethoven, em nossa época, elevaram o poder expressivo dessa arte, particularmente por meio da orquestra, a um potencial artístico completamente novo, dificilmente inimaginável até mesmo para Gluck, a influência da música no drama tornou-se inegavelmente significativa, pois naturalmente reivindica a plena expressão de sua riqueza.
Ora, os gregos, e talvez até mesmo algumas de nossas peças teatrais medievais, foram capazes de estender a expressão musical ao drama sem alterá-lo fundamentalmente. O próprio drama, portanto, teve que se expandir para se expressar, e descobrir e desenvolver essa capacidade dentro dele, correspondente à riqueza da expressão musical, pareceu-me possível apenas para o próprio músico. Embora eu tenha elevado o músico ao status de poeta, não poderia, de modo algum, permitir que ele perdesse de vista o verdadeiro propósito principal do próprio drama. Pois foi precisamente para alcançar esse propósito artístico supremo que sua arte particular — a música — foi posta em prática; e assim me pareceu sua verdadeira tarefa: desejar, plenamente convicto e interiormente ciente da riqueza da expressão musical, nada além do próprio drama, mas, é claro, o drama que não poderia surgir sem essa consciência musical do poeta.
Para que eu seja perfeitamente claro sobre este ponto, refiro-me a uma cena importante em meu "Tannhäuser": a Competição de Cantores; claramente, aqui, especialmente para que a catástrofe acontecesse por meio dessa cena, somente a intenção poética tinha que e podia prevalecer. Fazer com que os cantores se superassem por meio do virtuosismo vocal, ornamentos e cadências seria tarefa de um concurso de concerto, não de uma batalha dramática de ideias e emoções. Por outro lado, essa competição poética, na qual todo o ser dos participantes está envolvido, não poderia ser realizada em seu efeito dramático sem esse poder supremo e multifacetado da expressão musical que eu vislumbro. E, para minha satisfação, constatei que precisamente esta cena ousada suscitou a participação mais animada e intensa do público em todas as apresentações. Assim, alcancei o triunfo de cativar nosso público, tão acostumado a tais coisas, através do pensamento, e não apenas da emoção, na ópera.
Para reiterar brevemente: escolhi este caminho como músico que, partindo da convicção da riqueza inesgotável da música, almeja a obra de arte suprema, a saber: o drama. Digo almeja para indicar minha aspiração. Se sou capaz de alcançá-la, não posso julgar, e se estiver enganado, isso se deve apenas à minha capacidade limitada, e não às minhas boas intenções.
Se você puder obter alguma compreensão da natureza das minhas realizações a partir desta breve comunicação, ficarei muito grato; poderia lhe oferecer mais palavras, mas não mais substância. Portanto, por favor, contente-se com isto e, se possível, transmita-me meus mais sinceros pêsames. Com o pedido de que transmita meus melhores cumprimentos a Liszt, permaneço respeitosamente seu,
Atenciosamente,
Richard Wagner
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