Prefácio segunda edição de Ópera e Drama . 1869.



Wagner, Richard: Oper und Drama, Leipzig: Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, 21869, hier: Vorwort zur zweiten Auflage S. VII–XI.

|[Oper und Drama. Vorwort zur zweiten Auflage]

Herrn

Constantin Frantz

freundschaftlichst gewidmet.||Vorwort zur zweiten Auflage.
━━━━━━━━An Constantin Frantz.

Um dieselbe Zeit des vergangenen Jahres, als ein Brief von Ihnen in so erfreulicher Weise Ihren von der Lectüre dieses meines Buches empfangenen Eindruck mir mittheilte, erfuhr ich, daß die erste Auflage desselben bereits seit einiger Zeit vergriffen sei. Da mir noch nicht lange vorher ein ziemlich starker Vorrath von Exemplaren davon gemeldet worden war, frug ich mich verwundert nach den Gründen des in den letzten Jahren offenbar eingetretenen größeren Interesses an einer schriftstellerischen Arbeit, welche ihrer Natur nach eigentlich für gar kein Publicum bestimmt sein konnte. Meine bis dahin gemachten Erfahrungen hierüber hatten mir gezeigt daß von Musikrecensenten in den Zeitungen der erste, eine Kritik der Oper als Kunstgenres enthaltende Theil durchblättert worden war, und darin vorkommende scherzhafte Bemerkungen einige Beachtung gefunden hatten; ernstlich war von einigen wirklichen Musikern der Inhalt dieses ersten Theiles erwogen, sowie selbst auch der constructive dritte Theil gelesen worden. Von einer wirklichen Beachtung des zweiten, dem Drama und dem dramatischen Stoffe zugewendeten Theiles, ist mir keine Anzeige zugekommen: offenbar |war mein Buch nur Musikern von Fach in die Hände gerathen; unseren Litteraturdichtern ist es gänzlich unbekannt geblieben. Der Ueberschrift des dritten Theiles: „Dichtkunst und Tonkunst im Drama der Zukunft“, ward eine „Zukunftsmusik“ entnommen, zur Bezeichnung einer neuesten „Richtung“ der Musik, als deren Begründer ich unvorsichtiger Weise zu völliger Weltberühmtheit gebracht worden bin. – Dem früher gänzlich unbeachtet gebliebenen zweiten Theil verdanke ich nun aber wohl die, sonst unerklärliche, verstärkte Nachfrage nach meinem Buche, durch welche eine zweite Auflage desselben veranlaßt worden ist. Es entstand nämlich bei Leuten, welchen ich als Dichter und Musiker gänzlich gleichgiltig war, ein Interesse daran, in meinen Schriften, von denen man allerlei Sonderbares vernommen hatte, die Politik und die Religion berührende Verfänglichkeiten aufzufinden; wie weit es diesen zu ihrer eigenen Ueberzeugung gelungen ist, mir gefährliche Tendenzen zuzusprechen, blieb meiner Erfahrung fern; immerhin ward es ihnen aber möglich, mich zum Versuche von Erläuterungen dessen zu veranlassen, was ich unter dem von mir geforderten „Untergange des Staates“ verstände. Ich gestehe, daß mich dies recht in Verlegenheit setzte, und ich, um mich erträglich herauszuwinden, gerne zu dem Geständnisse mich herbeiließ, die Sache nicht so schlimm gemeint, und, wohl überlegt, gegen das Fortbestehen des Staates nichts Ernstliches einzuwenden zu haben.

So viel ging mir aus allen meinen über dieses sonderbare Buch gemachten Erfahrungen hervor, daß seine Veröffentlichung völlig unnütz gewesen sei, mir nur Verdrießlichkeiten zugezogen, und Niemand eine erquickliche Belehrung verschafft habe. Ich war geneigt, es der Vergessenheit zu übergeben, und scheute mich vor der Besorgung einer neuen Auflage schon aus dem Grunde, weil ich es hierfür von Neuem durchlesen mußte, wogegen ich seit seinem ersten Erscheinen einen großen Widerwillen empfunden hatte. Ihr so ausdrucksvoller Brief stimmte mich nun alsbald um. Es war kein Zufall, daß Sie von meinen musikalischen Dramen angezogen wurden, während ich von Ihren politischen Schriften mich erfüllte. |Wer ermißt die Bedeutung meines freudigen Erstaunens, als Sie mir aus dem so sehr verkannten Mittelpunkte meines schwierigen Buches verständnißvoll zuriefen: „Ihr Untergang des Staates ist die Gründung meines deutschen Reiches!“ Selten ist wohl eine so vollständige gegenseitige Ergänzung eingetreten, als sie hier auf breitester und umfassendster Grundlage zwischen dem Politiker und dem Künstler sich vorbereitet hatte. Und an diesen deutschen Geist, der uns, von den äußersten Gegensätzen der gewohnten Anschauung ausgehend, in der tiefempfundenen Anerkennung der großen Bestimmung unseres Volkes so überraschend zusammenführte, dürfen wir nun wohl mit gestärktem Muthe glauben.

Der Kräftigung dieses Glaubens durch unsre Begegnung bedurfte es aber. Das Excentrische meiner noch in diesem vorliegenden Buche kundgegebenen Meinungen war gewiß durch die entgegengesetzte Verzweiflung veranlaßt. Noch immer möchten die Gründe zur Bekämpfung des Zweifels von schwacher Kraft sein, wenn wir sie nur aus den Kundgebungen unsrer Oeffentlichkeit schöpfen sollten; eine jede Berührung mit ihr kann die von unsrem Glauben Erfüllten nur in sofort zu bereuende Verbindungen bringen, wogegen vollkommene Isolirung mit allen ihren Aufopferungen einzig Rettung bietet. Das Opfer, welches Sie sich in diesem Sinne auferlegten, bestand in der Verzichtleistung auf allgemeinere Beachtung und Anerkennung Ihrer edlen politischen Schriften, in welchen Sie mit überzeugender Klarheit die Deutschen auf das ihnen so nahe liegende einzige Heil hinwiesen. Geringer schien das Opfer zu sein, welches der Künstler, der dramatische Dichter und Musiker zu bringen hatte, dessen von allen Theatern laut aus der Oeffentlichkeit zu Ihnen sprechende Werke Ihre Hoffnung so stark belebten, daß Sie dem Glauben bereits eine allerkräftigste Nahrung zugeführt sahen. Es fiel Ihnen schwer, mich nicht mißzuverstehen, und nicht gar eine krankhafte Ueberspannung in meiner Abwehr Ihrer zuversichtlichen Annahmen zu erkennen, wenn ich Sie über den geringen Gehalt meiner Erfolge vor dem deutschen Theaterpublicum zu belehren versuchte. Sie selbst |verschafften sich jedoch schließlich diese gründliche Belehrung durch eine genaue Kenntnißnahme von diesem, nun Ihnen gewidmeten Buche über Oper und Drama. Gewiß deckte es Ihnen die aller Welt verborgenen Wunden auf, an denen vor meiner untrüglich sicheren Empfindung meine Erfolge als deutscher „Operncomponist“ kranken. In Wahrheit kann noch heute Nichts mich darüber beruhigen, daß diese Erfolge in einem allerwichtigsten Theile sich nicht auf ein Mißverständniß begründeten, welches den wirklichen, einzig erzielten Erfolg eigentlich geradesweges verhindert.

Die Aufschlüsse über diese anscheinende Paradoxe legte ich vor nun beinahe achtzehn Jahren in der Form einer eingehenden Behandlung des Problemes der Oper und des Dramas nieder. Was ich vor Allem an Denjenigen, welche dieser Arbeit eine gründliche Beachtung zuwenden, bewundern muß, ist: durch die Schwierigkeiten der Darstellung, welche eben jene eingehende Behandlung mir abnöthigte, sich nicht ermüden zu lassen. Mein Verlangen, der Sache vollständig auf den Grund zu kommen und vor keinem Detail zurückzuschrecken, welches meiner Absicht nach den schwierigen Gegenstand der ästhetischen Untersuchung dem einfachen Gefühle verständlich machen sollte, verleitete mich zu derjenigen Hartnäckigkeit in meinem Style, welche dem auf Unterhaltung ausgehenden, nicht für den Gegenstand gleich interessirten Leser sehr vermuthlich als verwirrende Weitschweifigkeit erscheinen muß. Bei der jetzt vorgenommenen Revision des Textes kam ich jedoch zu dem Beschlusse, nichts Wesentliches daran zu ändern, da ich eben in der bezeichneten Schwierigkeit meines Buches andrerseits seine besondere, dem ernsten Forscher sich empfehlende Eigenthümlichkeit erkannte. Sogar eine Entschuldigung dafür muß ich für überflüssig und irreleitend halten. Die Probleme, zu deren Behandlung es mich drängte, sind bisher nie in dem von mir erkannten Zusammenhange, außerdem aber nie von Künstlern, deren Gefühle sie sich am unmittelbarsten darbieten, sondern nur von theoretisirenden Aesthetikern untersucht worden, welche, selbst beim besten Willen, dem Uebelstande nicht ausweichen konnten, eine dialektische Darstellungsform auf Gegen|stände anzuwenden, welche in ihrem Grundwesen bisher der Erkenntniß der Philosophie noch so fern lagen, wie gerade die Musik. Seichtigkeit und Unkenntniß haben es leicht, über unverstandene Dinge mit Benutzung des Vorrathes einer überkommenen Dialektik sich in einer Weise auszulassen, daß es dem wiederum Uneingeweihten nach Etwas aussieht: wer aber nicht vor einem Publicum, welches selbst keine philosophischen Begriffe hat, mit solchen Begriffen spielen will, sondern wem es daran liegt, in Betreff schwieriger Probleme vom irrigen Begriffe an das richtige Gefühl von der Sache sich zu wenden, der möge etwa aus dem vorliegenden Buche von mir lernen, wie man sich zu bemühen hat, um seiner Aufgabe zu innerer Befriedigung beizukommen.

In diesem Sinne wage ich denn von Neuem mein Buch einer ernstlichen Beachtung zu empfehlen: wo es auf diese trifft, wird es, wie dies bei Ihnen, mein verehrter Freund, der Fall war, zur Ausfüllung der beängstigenden Kluft dienen, welche zwischen dem mißverständnißvollen Geiste des Erfolges meiner musikalisch-dramatischen Werke, und der einzig mir vorschwebenden richtigen Wirkung derselben liegt.Tribschen bei Luzern, 28. April 1868.
Richard Wagner


Por volta da mesma época no ano passado, quando uma carta sua tão gratificante transmitiu suas impressões sobre meu livro, fiquei sabendo que a primeira edição estava esgotada há algum tempo. Como só recentemente tomei conhecimento de um estoque considerável de exemplares, fiquei perplexo com os motivos do aparente aumento de interesse nos últimos anos por uma obra que, por sua própria natureza, não poderia ter sido destinada ao público em geral. Minha experiência anterior havia me mostrado que críticos musicais em jornais folheavam a primeira parte, que continha uma crítica à ópera como forma de arte, e que as observações humorísticas ali presentes haviam recebido alguma atenção; alguns músicos de fato haviam considerado seriamente o conteúdo dessa primeira parte, e até mesmo a construtiva terceira parte havia sido lida. Não recebi nenhuma menção à segunda parte, que trata de drama e temas dramáticos: aparentemente, meu livro só chegou às mãos de músicos profissionais; permaneceu completamente desconhecido para nossos poetas literários. O título da terceira parte, "Poesia e Música no Drama do Futuro", foi retirado de "música do futuro" para denotar uma nova "tendência" musical, cujo fundador me trouxe, imprudentemente, fama mundial. No entanto, devo agora à segunda parte, até então completamente ignorada, o aumento inexplicável da procura pelo meu livro, o que motivou uma segunda edição. Isso porque surgiu, entre pessoas para as quais eu era totalmente indiferente como poeta e músico, o interesse em encontrar, nos meus escritos — sobre os quais se ouviam todo tipo de coisas peculiares —, intrigantes conexões com a política e a religião. Até que ponto conseguiram me convencer de que eu nutria tendências perigosas permaneceu um mistério para mim; contudo, conseguiram suscitar uma tentativa de explicar o que eu queria dizer com a "queda do Estado" que eu havia defendido. Confesso que isso me colocou numa posição bastante embaraçosa e, para me desvencilhar mais facilmente, admiti prontamente que não tinha tido uma má intenção e, após cuidadosa reflexão, que não tinha nenhuma objeção séria à continuidade do Estado.

Com base em todas as minhas experiências com este livro peculiar, concluí que sua publicação fora totalmente inútil, causando-me apenas aborrecimento e não proporcionando a ninguém qualquer visão verdadeiramente esclarecedora. Inclinei-me a relegá-lo ao esquecimento e hesitei em encomendar uma nova edição, até porque teria que relê-lo, algo a que nutria grande aversão desde sua primeira publicação. Sua expressiva carta, contudo, mudou-me imediatamente de ideia. Não foi coincidência que você se sentisse atraído por meus dramas musicais, enquanto eu me cativava por seus escritos políticos. Quem pode compreender o significado da minha alegre surpresa quando você, do âmago tão incompreendido do meu difícil livro, exclamou com tanta compreensão: "Sua queda do Estado é a fundação do meu Reich Alemão!" Raramente ocorreu uma complementaridade mútua tão completa como aquela que, em sua forma mais ampla e abrangente, se estabeleceu aqui entre o político e o artista. E agora podemos acreditar com renovada coragem nesse espírito alemão que, partindo das contradições extremas de nossas visões habituais, nos uniu de forma tão surpreendente no profundo reconhecimento do grande destino de nosso povo.
Mas essa fé precisava ser fortalecida por meio do nosso encontro. A excentricidade das opiniões que expressei neste livro foi certamente motivada pelo desespero oposto. As razões para combater a dúvida poderiam ainda ser frágeis se as extraíssemos apenas das declarações do nosso público; qualquer contato com ele só pode levar aqueles imbuídos da nossa fé a conexões imediatamente lamentáveis, enquanto o isolamento completo, com todos os seus sacrifícios, oferece a única salvação. O sacrifício que você se impôs a esse respeito consistiu em renunciar a uma atenção e reconhecimento mais amplos por seus nobres escritos políticos, nos quais você apontava aos alemães, com clareza convincente, a única salvação tão próxima. O sacrifício que o artista, o poeta dramático e o músico tiveram que fazer pareceu menor, pois suas obras, falando alto a você de cada teatro, vivificavam tão fortemente sua esperança que você já via o alimento mais poderoso sendo dado à sua fé. Você achou difícil não me entender mal, e até mesmo detectar uma reação exagerada e patológica na minha rejeição às suas suposições confiantes, quando tentei esclarecer o alcance limitado dos meus sucessos com o público teatral alemão. Você, porém, acabou por adquirir essa profunda compreensão por meio de um estudo cuidadoso deste livro sobre ópera e drama, agora dedicado a você. Certamente, ele lhe revelou as feridas, ocultas a todos os outros, que, em meu infalível senso, minam meus sucessos como "compositor de ópera" alemão. Na verdade, ainda hoje nada pode me assegurar de que esses sucessos, em um aspecto crucial, não se basearam em um mal-entendido que, de fato, impediu diretamente o verdadeiro e único sucesso alcançado.

Apresentei as explicações para esse aparente paradoxo há quase dezoito anos, na forma de uma análise detalhada do problema da ópera e do drama. O que mais admiro naqueles que dedicam atenção minuciosa a essa obra é a sua recusa em se deixar desanimar pelas dificuldades de apresentação que exigiram uma análise tão detalhada. Meu desejo de chegar ao âmago da questão e de não omitir nenhum detalhe que, em minha intenção, tornasse o complexo tema da investigação estética compreensível ao senso comum, levou-me a uma tenacidade em meu estilo que muito provavelmente parecerá ao leitor em busca de entretenimento, e não igualmente interessado no assunto, como uma verborragia confusa. Contudo, na revisão do texto que agora empreendi, decidi não alterar nada essencial, pois reconheci na própria dificuldade do meu livro sua qualidade especial, que ele recomenda ao estudioso sério. Devo até mesmo considerar um pedido de desculpas por este aspecto supérfluo e enganoso. Os problemas que me senti compelido a abordar nunca foram examinados no contexto que reconheci, nem foram investigados por artistas, cujos sentimentos eles revelam mais diretamente, mas apenas por estetas teóricos que, mesmo com as melhores intenções, não puderam evitar o problema de aplicar uma forma dialética de representação a objetos cuja natureza fundamental tem estado até então tão distante da compreensão filosófica quanto a própria música. A superficialidade e a ignorância tornam fácil discorrer sobre assuntos mal compreendidos, utilizando o repertório da dialética tradicional de uma forma que soa artificial aos não iniciados; mas quem não deseja brincar com tais conceitos diante de um público que também não possui conceitos filosóficos, mas quem se preocupa em se afastar de conceitos errôneos e alcançar o sentimento correto sobre a questão em relação a problemas difíceis, pode aprender com este livro como se deve esforçar para alcançar a satisfação interior ao cumprir a própria tarefa.

Nesse sentido, atrevo-me mais uma vez a recomendar que meu livro receba a devida atenção: onde encontrar tal atenção, servirá, como aconteceu com você, meu estimado amigo, para preencher a lacuna assustadora que existe entre o espírito equivocado do sucesso de minhas obras musical-dramáticas e o único efeito verdadeiramente correto que eu vislumbro para elas. Tribschen, perto de Lucerna, 28 de abril de 1868.
Richard Wagner

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