Carta List 2 jan 1859

 Venedig, 2. Januar 1859


Wein lieber Frang!


Es wird nun Zeit sein, daß ich mit Besonnenheit noch einmal den Punkt berühre und zum entscheidenden Wale ausführlicher be handle, der so lange nun ein so ergiebiger Quell von Lebensbeschwerden für mich ist, und der am vergangenen Sylvester mich wieder zu dem Sturme trieb, mit dem ich Dich gewiß recht zu Deiner Bein - über fiel. Dergleichen Stürme dürfen nicht mehr vorkommen; das fühle ich so tief, daß eben dieser leste Überfall nur auch schon im aufgeregtesten Affect mir noch möglich wurde. - Aber eben mit mir muß sich eine ganz bestimmte Änderung zutragen, damit ich in eine meiner würdigere Loge gelange. Und deshalb theile ich mich Dir heute zum letzten Mate hierüber mit; vielleicht thäte ich gut, auch dieses lehte Mal Dich nicht mehr mit dieser Sache zu beschweren: doch könnte ich im andren Halle, da ich jest zu einem entscheidenden Schritt entschlossen bin, mir den Vorwurf zu machen haben, den mir nächsten und hierfür geeignetsten. einflußreichsten Freund auf befremdende Weise übergangen zu haben.


Aljo zur Sadje! -


Ich erkläre, daß, nachdem ich nun schon zehn Jahre mich an das Fril gewöhnt habe, nicht die Amnestirung das Wichtigſte für mich ist.-sondern die Garantie einer forgenfreien, für den Rest meines Lebens mir einen behaglichen Zustand sichernden Existenz. Lah Dich das nicht verwundern. Die Rückkehr nach Deutschland hat für mich nur einen relativen Werth; der einzige, positive Gewinn wäre, Dich öfters sehen und mit Dir zusammen sein zu können. Die in Aussicht stehenden Aus-führungen meiner Opern, mit meiner Betheiligung, können mir un möglich mehr Genuß, als Anstrengung, Sorgen, Kummer und Ärger bringen. Ich habe nie eine eigentliche Freude an einer Operu-Auf-führung von mir gehabt, und werde sie jest noch viel weniger haben können. Meine idealen Forderungen sind gegen früher noch weit ge stiegen, und meine Empfindlichkeit hat sich durch die lehten zehn Jahre der vollkommenen Entfernung von unfrem öffentlichen Kunstwesen be deutend vermehrt. Ich fürchte, auch Du selbst bist Dir hierin nody nicht ganz klar über mich: desto bestimmter glaube meinen Bersiche rangen. Du bist und stehst so ganz anders wie ich im Leben und der Welt da, daß Du von Dir aus auf meine Empfindlichkeit in dem an gedeuteten Bezuge unmöglich schließen kannst.

Haube mir nun unbedingt, wenn ich Dir sage, der einzige wirt-liche Grund meines Jeht-noch-fort-Lebens liegt lediglich in dem un widerstehlichen Prange, eine Reihe von Kunstwerken, die in mir noch Lebenstrieb haben, zu vollenden. Auf das Genaneste habe ich mich darin erkannt, daß nur dieses Schaffen und Vollenden mich befriedigt und mit (oft unbegreiflichem Lebenshang erfüllt; ich dagegen aber die Aussicht auf die Aufführung derselben wirklich ganz und gar entbehren kann. So bin ich mir jeht darüber klar geworden, daß, ehe ich nicht den Tristan ganz vollendet habe, eine Amnestie mich nur in Verlegen heit sehen könnte. Keine Aussicht, den Lohengrin selbst aufzuführen, könnte mich bis dahin bestimmen, meinen jezigen Aufenthalt vor dieser Vollendung zu verlossen. Schließe hierans auf das Weitere!

Somit jede etwa mir in Aussicht gestellte Sicherung meiner wohlanständigen Lebensexistenz wirbe, sofern fie für mich durchaus nur an die Bedingung der Amnestie und dadurch ermöglichter Dienst leistungen geknüpft wäre, ohne Werth sein. Ich fann und werde nie eine Anstellung, oder was bem irgend gleich fäme, annehmen. Was ich dagegen beanspruche, ist, die Fizirang einer chrenvollen und reich lichen Benfion, lediglich und einzig zu dem Zwed, ungestört und gänz lich unabhängig von äußeren Erfolgen, meine Kunstwerke schaffen zu Fönnen.-

Es wird nun Zeit sein, daß ich mit Besonnenheit noch einmal den Punkt berühre und zum entscheidenden Male ausführlicher behandle, der so lange nun ein so ergiebiger Quell von Lebensbeschwerden für mich ist, und der am vergangenen Silvester mich wieder zu dem Sturme trieb, mit dem ich Dich gewiß recht zu Deiner Pein überfiel. Dergleichen Stürme dürfen nicht mehr vorkommen; das fühle ich so tief, daß eben dieser letzte Überfall nur auch schon im aufgeregtesten Affekt mir noch möglich wurde. – Aber eben mit mir muß sich eine ganz bestimmte Änderung zutragen, damit ich in eine meiner würdigere Lage gelange. Und deshalb teile ich mich Dir heute zum letzten Male hierüber mit; vielleicht täte ich gut, auch dieses letzte Mal Dich nicht mehr mit dieser Sache zu beschweren: doch könnte ich im andren Falle, da ich jetzt zu einem entscheidenden Schritt entschlossen bin, mir den Vorwurf zu machen haben, den mir nächsten und hierfür geeignetsten, einflußreichsten Freund auf befremdende Weise übergangen zu haben.

Also zur Sache! –




Ich erkläre, daß, nachdem ich nun schon zehn Jahre mich an das Exil gewöhnt habe, nicht die Amnestierung das Wichtigste für mich ist, sondern die Garantie einer sorgenfreien, für den Rest meines Lebens mir einen behaglichen Zustand sichernden Existenz. Laß Dich das nicht verwundern. Die Rückkehr nach Deutschland hat für mich nur einen relativen Wert; der einzige, positive Gewinn wäre, Dich öfters sehen und mit Dir zusammen sein zu können. Die in Aussicht stehenden Aufführungen meiner Opern, mit meiner Beteiligung, können mir unmöglich mehr Genuß, als Anstrengung, Sorgen, Kummer und Ärger bringen. Ich habe nie eine eigentliche Freude an einer Opern-Aufführung von mir gehabt, und werde sie jetzt noch viel weniger haben können. Meine idealen Forderungen sind gegen früher noch weit gestiegen, und meine Empfindlichkeit hat sich durch die letzten zehn Jahre der vollkommenen Entfernung von unsrem öffentlichen Kunstwesen bedeutend vermehrt. Ich fürchte, auch Du selbst bist Dir hierin noch nicht ganz klar über mich: desto bestimmter glaube meinen Versicherungen. Du bist und stehst so ganz anders wie ich im Leben und der Welt da, daß Du von Dir aus auf meine Empfindlichkeit in dem angedeuteten Bezuge unmöglich schließen kannst.

Glaube mir nun unbedingt, wenn ich Dir sage, der einzige wirkliche Grund meines Jetzt-noch-fort-Lebens liegt lediglich in dem unwiderstehlichen Drange, eine Reihe von Kunstwerken, die in mir noch Lebenstrieb haben, zu vollenden. Auf das Genaueste habe ich mich darin erkannt, daß nur dieses Schaffen und Vollenden mich befriedigt und mit (oft unbegreiflichem) Lebenshang erfüllt; ich dagegen aber die Aussicht auf die Aufführung derselben wirklich ganz und gar entbehren kann. So bin ich mir jetzt darüber klar geworden, daß, ehe ich nicht den Tristan ganz vollendet habe, eine Amnestie mich nur in Verlegenheit setzen könnte. Keine Aussicht, den Lohengrin selbst aufzuführen, könnte mich bis dahin bestimmen, meinen jetzigen Aufenthalt vor dieser Vollendung zu verlassen. Schließe hieraus auf das Weitere!

Somit jede etwa mir in Aussicht gestellte Sicherung meiner wohlanständigen Lebensexistenz würde, sofern sie für mich durchaus nur an die Bedingung der Amnestie und dadurch ermöglichter Dienstleistungen geknüpft wäre, ohne Wert sein. Ich kann und werde nie eine Anstellung, oder was dem irgend gleich käme, annehmen. Was ich dagegen beanspruche, ist die Fixierung einer ehrenvollen und reichlichen Pension, lediglich und einzig zu dem Zweck, ungestört und gänzlich unabhängig von äußeren Erfolgen meine Kunstwerke schaffen zu können. —



Chegou a hora de eu abordar, mais uma vez com calma e de forma decisiva, o ponto que há tanto tempo tem sido uma fonte fértil de angústia para mim, e que na última véspera de Ano Novo me lançou novamente na tempestade com a qual certamente os ataquei, para grande desgosto de vocês. Tais tempestades não devem se repetir; sinto isso tão profundamente que este último desabafo só foi possível em um estado de extrema agitação emocional. – Mas uma mudança muito específica precisa ocorrer dentro de mim para que eu alcance uma posição mais digna. E é por isso que escrevo a vocês sobre isso pela última vez hoje; talvez fosse prudente não sobrecarregá-los com este assunto novamente nesta última vez: mas, caso contrário, já que agora resolvi dar um passo decisivo, poderia me censurar por ter, de uma forma estranha, negligenciado meu amigo mais próximo, mais adequado e mais influente.


Então, vamos ao que interessa! —


Declaro que, tendo-me acostumado ao exílio por dez anos, o que mais me importa não é a anistia, mas sim a garantia de uma existência despreocupada, que me assegure uma vida confortável pelo resto da minha existência. Não se surpreenda com isso. Voltar à Alemanha tem apenas valor relativo para mim; o único ganho positivo seria poder vê-los com mais frequência e estar com vocês. As apresentações das minhas óperas, com a minha participação, não me trarão mais prazer do que esforço, preocupação, tristeza e raiva. Nunca gostei verdadeiramente de uma apresentação de ópera minha, e agora poderei gostar ainda menos. As minhas exigências idealistas aumentaram consideravelmente desde então, e a minha sensibilidade cresceu significativamente durante os últimos dez anos de completo isolamento do nosso meio artístico público. Temo que nem vocês mesmos tenham plena clareza sobre mim a este respeito: mais um motivo para acreditarem nas minhas afirmações. Vocês são tão completamente diferentes de mim na vida e no mundo que não podem inferir, a partir da sua própria perspectiva, a minha sensibilidade no contexto mencionado.


Agora, acreditem em mim incondicionalmente quando digo que a única razão real para eu continuar vivendo reside unicamente no desejo irresistível de concluir uma série de obras de arte que ainda possuem uma chama vital dentro de mim. Compreendi precisamente que somente esse ato de criar e concluir me satisfaz e me preenche com uma vitalidade (muitas vezes incompreensível); enquanto que posso verdadeiramente viver sem a perspectiva de apresentá-las. Assim, percebi que, até que eu termine completamente Tristan, uma anistia só me causaria angústia. Nenhuma perspectiva de apresentar Lohengrin por mim mesmo me obrigaria a deixar minha morada atual antes de sua conclusão. Tirem suas próprias conclusões disso!


Portanto, qualquer garantia de um sustento digno que me seja prometida seria inútil se dependesse unicamente da condição de anistia e dos serviços que ela possibilita. Não posso e jamais aceitarei emprego, ou algo do tipo. O que eu exijo, no entanto, é o estabelecimento de uma pensão digna e substancial, única e exclusivamente para que eu possa criar minha obra de arte sem perturbações e totalmente independente do sucesso externo.


Gänzlich ohne Vermögen und jede Unterstützung bin ich (legaliter) einzig auf die Einnahmen von meinen Opern angewiesen. Wernun irgend welche wirkliche Erkenntniß von der Beschaffenheit meiner Arbeiten hat, das Besondere und sie Unterscheidende fühlt und achtet, muß einsehen, daß gerade ich, und eben einem Institute wie unsrem Theater gegenüber, nun und nimmermehr darauf angewiesen sein dürfte, seine Werke zur Waare zu machen. Bei einiger Gerechtig keit muß man einsehen, daß es eine meiner höchst unwürdige Lage ist, wenn ich mich der Freiheit begeben muß, ohne Bedingung für das Kunstinteresse meiner Werke, ohne Auswahl, ohne Würdigung der betreffenden Theater, meine Opern nicht nur an jede Direktion hingeben zu müssen, sondern selbst genöthigt sein zu können, sie anbieten zu sollen. Ich habe unter diesem Zwange schon die schmerzlichste Bitterkeit empfunden; das übelste ist aber, daß, wenn ich hierfür auch jedes Ehrgefühl unterdrücke, diese Einnahmen einen Charakter haben, der auf mein pecuniäres Auskommen den empfindlichsten und beunruhigendsten Einfluß äußert. Diese Einnahmen kommen einmal reichlich, unvorhergesehen und kaum verhofft, wodurch sie plötzlich Beruhigung, Sicherung und eine gewisse verführerische Fülle bringen, die dann dauernd, und ebenso unvoransgesehen wieder, durch ihr Ausbleiben (weil sie eben gar nicht berechenbar sind) Noth, Sorge und Bedrängniß herbeiführen. Soll es mit mir recht beschaffen sein, so muß ich von der Nothwendigkeit, auf diese Einnahmen mir eine bestimmte Rechnung zu machen, gänzlich befreit und in eine Lage gebracht werden, in der ich sie als einen zufälligen, diese oder jene weitere Lebensannehmlichkeit mir ermöglichenden Überschuß betrachten kann, den ich mir aber, unbeschadet meines übrigen guten und anständigen Anskommens, auch versagen können muß, wenn es sich darum handelt, diesem oder jenem Theater, dem ich nicht die Kräfte oder deren Leitung ich nicht den redlichen Eifer für mein Werk zutrauen darf, meine Opern zu verweigern.

Auf diese Weise und durch die so erlangte Stellung zu unsrer sehr beschmusten theatralischen Kunstöffentlichkeit, wäre ich meiner, meinem tiefernsten Streben und der Eigenthümlichkeit meines Kunstschaffens würdige Weise geschützt und zu ferneren Schöpfungen befähigend von der Mitwelt versorgt. Dies kann mir nur eine reichliche, feste Pension gewähren, und nur durch eine Verbindung mehrerer deutscher Fürsten, denen ich Theilnahme einflößte, kann diese mir gewährt werden.

Auf einer solchen Vereinigung müßte ich, namentlich aus dem Grunde bestehen, weil die gewährte Pension, wenn sie vollkommen ihrem Zwecke und meinen, ich gestehe, etwas empfindlichen und nicht ganz ordinären Bedürfnissen, entsprechen soll, sich mindestens auf zwei bis drei tausend Thaler belaufen muß. Ich erröthe nicht, eine solche Summe zu nennen, weil ich einerseits die Erfahrung dessen, was gerade ich, wie ich nun eben bin (und - vielleicht auch: wie ich nun einmal meine Werke ausstatte) mit nicht weniger bequem auskomme, andrerseits aber sehr wohl erlebt habe, daß man Künstlern, wie Mendelssohn, (trozdem dieser an und für sich vermögend war) keine geringeren Ehrengehalte und zwar von einer einzigen Seite her - aussekte.


ob Du Ich frage Dich nun mit entscheidender Bestimmtheit, die Initiative hierfür ergreifen willst? Zugleich mache ich aber darauf aufmerksam, daß ich, nach reiflichster Überlegung, durchaus auf dem dargelegten Charakter meines Gesuches bestehe. Eine, noch so große Freiheit mir gewährende, spezifisch Weimarische Anstellung, selbst wenn sie der Deinigen gleichkäme, könnte ich schon aus dem Grunde nicht annehmen, weil der Gehalt dafür zu meinem Zwecke nicht genügend wäre, und, da sie nicht radical hülfe, mir somit nur ein gefährliches Palliativ verschaffte. Nochmals: - ich suche eine gründliche Beruhigung meiner äußeren Verhältnisse, reichlich und entscheidend für mein zukünftiges Kunstschaffen. Ich werde jekt 46 Jahre alt, und ſpreche somit von einer Zukunft von wahrscheinlich höchstens 10 Jahren.


Also: hast Du Gründe, nicht auf mein Gesuch einzugehen, Dich nicht persönlich damit einzulassen (und diese Gründe könnte ich in Deiner besonderen Stellung, ohne die mindeste Schmälerung unsrer Freundschaft, sehr wohl begreifen) so zeige mir das bestimmt und definitiv sofort an. Sage mir dann, ob Du mir räth'st, selbst mich an den Gr. H. von W. zu wenden, um diesen zu vermögen, sich zur Aufforderung an die andren Fürsten, an die Spike zu stellen.


Findest Du auch dieß nicht rathsam, so bin ich dann entschlossen, D. zu befragen, ob er dieselbe Vermittelung bei einem anderen Fürsten übernehmen wolle. Schlägt auch er mir ab, so ist dann mein lekter Vorsak, mich an den Fürsten selbst zu wenden. Von dem Erfolge dieses Schrittes wird dann unabänderlich mein ferneres Verhalten zu Deutschland abhängen, über welches ich mir unter diesen Umständen nun ebenfalls klar geworden bin.


Jedenfalls, sei es an Dich, oder D., oder an einen der Fürsten selbst, werde ich mein Gesuch mit einer sehr klaren und überzeugenden Auseinandersehung meiner Lage, meiner Stellung zur Kunstwelt, und meiner besonderen, persönlichen Eigenschaften und Bedürfnisse begleiten. Zugleich werde ich bestimmt angeben, was ich gegen jene Pension zu leisten verspreche: in erster Reihe (und für alle Fälle der Möglichkeit und nicht-Möglichkeit meiner Rückkehr nach Deutschland) werde ich nur unausgesetzte Produktivität und Schaffen von Werken in Aussicht stellen; dann unentgeltliche Lieferung aller meiner fertigen oder künf-tigen Arbeiten an die betreffenden fürstlichen Theater; endlich (sobald ich Deutschland wieder betreten kann) auf besonderen Wunsch persön-liches Einstellen zum Einstudiren und Aufführen meiner Opern, sowie auf Verlangen anderer würdiger Werke, durch deren Vorführung ich der Kunst Gewinn und Ehre zu bringen hoffen darf.


Nun, mein Franz! Dieß ist der erste Brief in diesem verhängnisvollen Neuen Jahre 1859. Er ist an Dich, in einer für mein ferneres Leben entscheidend wichtigen Angelegenheit. Möge der Himmel und unsre Freundschaft ihn mit Erfolg segnen.


Antworte mir sehr bald aber bestimmt und für allemal entscheidend, denn ich wiederhole, daß ich mein Gesuch durchaus in keine Verbindung mit der Amnestie gebracht wissen will.


Tausend herzliche Grüße an die Franen, denen ich bald recht schön schreiben werde.


Dein


R.W.


Correção transcrição


Gänzlich ohne Vermögen und jede Unterstützung bin ich (legaliter) einzig auf die Einnahmen von meinen Opern angewiesen. Wer nun irgendwelche wirkliche Erkenntnis von der Beschaffenheit meiner Arbeiten hat, das Besondere und sie Unterscheidende fühlt und achtet, muß einsehen, daß gerade ich, und eben einem Institute wie unsrem Theater gegenüber, nun und nimmermehr darauf angewiesen sein dürfte, seine Werke zur Ware zu machen. Bei einiger Gerechtigkeit muß man einsehen, daß es eine meiner höchst unwürdige Lage ist, wenn ich mich der Freiheit begeben muß, ohne Bedingung für das Kunstinteresse meiner Werke, ohne Auswahl, ohne Würdigung der betreffenden Theater, meine Opern nicht nur an jede Direktion hingeben zu müssen, sondern selbst genötigt sein zu können, sie anbieten zu sollen. Ich habe unter diesem Zwange schon die schmerzlichste Bitterkeit empfunden; das Übelste ist aber, daß, wenn ich hierfür auch jedes Ehrgefühl unterdrücke, diese Einnahmen einen Charakter haben, der auf mein pekuniäres Auskommen den empfindlichsten und beunruhigendsten Einfluß äußert. Diese Einnahmen kommen einmal reichlich, unvorhergesehen und kaum verhofft, wodurch sie plötzlich Beruhigung, Sicherung und eine gewisse verführerische Fülle bringen, die dann dauernd, und ebenso unvorausgesehen wieder, durch ihr Ausbleiben (weil sie eben gar nicht berechenbar sind) Not, Sorge und Bedrängnis herbeiführen. Soll es mit mir recht beschaffen sein, so muß ich von der Notwendigkeit, auf diese Einnahmen mir eine bestimmte Rechnung zu machen, gänzlich befreit und in eine Lage gebracht werden, in der ich sie als einen zufälligen, diese oder jene weitere Lebensannehmlichkeit mir ermöglichenden Überschuß betrachten kann, den ich mir aber, unbeschadet meines übrigen guten und anständigen Auskommens, auch versagen können muß, wenn es sich darum handelt, diesem oder jenem Theater, dem ich nicht die Kräfte oder deren Leitung ich nicht den redlichen Eifer für mein Werk zutrauen darf, meine Opern zu verweigern.

Auf diese Weise und durch die so erlangte Stellung zu unsrer sehr beschmutzten theatralischen Kunstöffentlichkeit, wäre ich meiner, meinem tiefernsten Streben und der Eigentümlichkeit meines Kunstschaffens würdige Weise geschützt und zu ferneren Schöpfungen befähigend von der Mitwelt versorgt. Dies kann mir nur eine reichliche, feste Pension gewähren, und nur durch eine Verbindung mehrerer deutscher Fürsten, denen ich Teilnahme einflößte, kann diese mir gewährt werden.

Auf einer solchen Vereinigung müßte ich namentlich aus dem Grunde bestehen, weil die gewährte Pension, wenn sie vollkommen ihrem Zwecke und meinen, ich gestehe, etwas empfindlichen und nicht ganz ordinären Bedürfnissen entsprechen soll, sich mindestens auf zwei- bis dreitausend Taler belaufen muß. Ich erröte nicht, eine solche Summe zu nennen, weil ich einerseits die Erfahrung dessen habe, daß gerade ich, wie ich nun eben bin (und – vielleicht auch: wie ich nun einmal meine Werke ausstatte) mit nicht weniger bequem auskomme, andrerseits aber sehr wohl erlebt habe, daß man Künstlern wie Mendelssohn (trotzdem dieser an und für sich vermögend war) keine geringeren Ehrengehalte und zwar von einer einzigen Seite her – aussetzte.

Ich frage Dich nun mit entscheidender Bestimmtheit, ob Du die Initiative hierfür ergreifen willst? Zugleich mache ich aber darauf aufmerksam, daß ich nach reiflichster Überlegung durchaus auf dem dargelegten Charakter meines Gesuches bestehe. Eine noch so große Freiheit mir gewährende, spezifisch Weimarische Anstellung, selbst wenn sie der Deinigen gleichkäme, könnte ich schon aus dem Grunde nicht annehmen, weil der Gehalt dafür zu meinem Zwecke nicht genügend wäre, und, da sie nicht radikal hülfe, mir somit nur ein gefährliches Palliativ verschaffte. Nochmals: – ich suche eine gründliche Beruhigung meiner äußeren Verhältnisse, reichlich und entscheidend für mein zukünftiges Kunstschaffen. Ich werde jetzt 46 Jahre alt, und spreche somit von einer Zukunft von wahrscheinlich höchstens 10 Jahren.

Also: hast Du Gründe, nicht auf mein Gesuch einzugehen, Dich nicht persönlich damit einzulassen (und diese Gründe könnte ich in Deiner besonderen Stellung, ohne die mindeste Schmälerung unsrer Freundschaft, sehr wohl begreifen), so zeige mir das bestimmt und definitiv sofort an. Sage mir dann, ob Du mir rätst, selbst mich an den Gr. H. von W. [Großherzog von Weimar] zu wenden, um diesen zu vermögen, sich zur Aufforderung an die andren Fürsten an die Spitze zu stellen.

Findest Du auch dies nicht ratsam, so bin ich dann entschlossen, D. [Devrient] zu befragen, ob er dieselbe Vermittlung bei einem anderen Fürsten übernehmen wolle. Schlägt auch er mir ab, so ist dann mein letzter Vorsatz, mich an den Fürsten selbst zu wenden. Von dem Erfolge dieses Schrittes wird dann unabänderlich mein ferneres Verhalten zu Deutschland abhängen, über welches ich mir unter diesen Umständen nun ebenfalls klar geworden bin.

Jedenfalls, sei es an Dich, oder D., oder an einen der Fürsten selbst, werde ich mein Gesuch mit einer sehr klaren und überzeugenden Auseinandersetzung meiner Lage, meiner Stellung zur Kunstwelt, und meiner besonderen, persönlichen Eigenschaften und Bedürfnisse begleiten. Zugleich werde ich bestimmt angeben, was ich gegen jene Pension zu leisten verspreche: in erster Reihe (und für alle Fälle der Möglichkeit und Nicht-Möglichkeit meiner Rückkehr nach Deutschland) werde ich nur unausgesetzte Produktivität und Schaffen von Werken in Aussicht stellen; dann unentgeltliche Lieferung aller meiner fertigen oder künftigen Arbeiten an die betreffenden fürstlichen Theater; endlich (sobald ich Deutschland wieder betreten kann) auf besonderen Wunsch persönliches Einstellen zum Einstudieren und Aufführen meiner Opern, sowie auf Verlangen anderer würdige Werke, durch deren Vorführung ich der Kunst Gewinn und Ehre zu bringen hoffen darf.

Nun, mein Franz! Dies ist der erste Brief in diesem verhängnisvollen Neuen Jahre 1859. Er ist an Dich, in einer für mein ferneres Leben entscheidend wichtigen Angelegenheit. Möge der Himmel und unsre Freundschaft ihn mit Erfolg segnen.

Antworte mir sehr bald, aber bestimmt und für allemal entscheidend, denn ich wiederhole, daß ich mein Gesuch durchaus in keine Verbindung mit der Amnestie gebracht wissen will.

Tausend herzliche Grüße an die Frauen, denen ich bald recht schön schreiben werde.

Dein

R. W.


Sem nenhum patrimônio ou apoio, dependo (legalmente) exclusivamente da renda das minhas óperas. Qualquer pessoa que compreenda a natureza das minhas obras, que sinta e respeite suas qualidades únicas e distintivas, deve perceber que eu, especialmente em relação a uma instituição como o nosso teatro, não deveria mais ser forçado a mercantilizar minhas obras. Com toda a justiça, é preciso reconhecer que é uma posição extremamente indigna para mim renunciar à liberdade, sem qualquer condição quanto ao mérito artístico das minhas obras, sem seleção, sem consideração pelos teatros em questão, não apenas de entregar minhas óperas a qualquer administração, mas até mesmo de ser obrigado a oferecê-las eu mesmo. Já experimentei a amargura mais dolorosa sob essa condição; mas o pior é que, mesmo que eu reprima todo o senso de honra a esse respeito, esses rendimentos exercem uma influência extremamente sensível e perturbadora sobre a minha segurança financeira. Essas receitas chegam em abundância de uma só vez, inesperadamente e dificilmente previstas, trazendo repentinamente tranquilidade, segurança e uma certa abundância sedutora. Então, a ausência dessas receitas, igualmente inesperada (pois são totalmente imprevisíveis), acarreta dificuldades, preocupações e angústias constantes. Para que tudo corra bem para mim, preciso estar completamente livre da necessidade de contabilizar essas receitas de forma específica e poder considerá-las um excedente fortuito que me proporciona este ou aquele conforto adicional na vida. Contudo, sem prejuízo do meu sustento digno e decente, também preciso poder renunciar a esse excedente se isso significar recusar apresentar minhas óperas neste ou naquele teatro, cujos recursos não me são confiáveis, ou cuja administração não me inspira o mesmo zelo sincero pelo meu trabalho.

Para que eu seja verdadeiramente próspero, preciso estar completamente livre da necessidade de contabilizar essas receitas de forma específica e poder considerá-las um excedente fortuito que me proporciona este ou aquele conforto adicional na vida. Dessa forma, e por meio da posição assim alcançada em nosso tão maculado mundo da arte teatral, eu estaria protegido de uma maneira digna das minhas mais sinceras aspirações e da natureza singular da minha obra artística, e amparado pelo mundo de forma a me permitir criar novas obras. Somente uma pensão substancial e estável pode garantir isso, e somente por meio de uma aliança com vários príncipes alemães, cujo apoio eu angariaria, isso me seria concedido.

Devo insistir em tal aliança, principalmente porque a pensão concedida, para que atenda plenamente ao seu propósito e às minhas, confesso, necessidades um tanto delicadas e não totalmente comuns, deve ser de pelo menos dois a três mil táleres. Não me envergonho de mencionar tal quantia, pois, por um lado, tenho a experiência de que eu, como sou (e – talvez também: como forjo minhas obras), vivo com não menos conforto, mas, por outro lado, também sei muito bem que artistas como Mendelssohn (apesar de sua riqueza pessoal) não recebiam menos honrarias, e de uma única fonte.

Agora pergunto-lhe com absoluta certeza se pretende tomar a iniciativa nesta questão. Ao mesmo tempo, gostaria de salientar que, após cuidadosa reflexão, insisto na natureza do meu pedido, tal como o descrevi. Mesmo um cargo especificamente em Weimar, que me concedesse a maior liberdade possível, e mesmo que fosse comparável ao seu, não poderia aceitar simplesmente porque o salário seria insuficiente para os meus objetivos e, uma vez que não proporcionaria uma solução radical, seria apenas um paliativo perigoso. Para reiterar: procuro uma estabilização completa das minhas circunstâncias externas, substancial e crucial para os meus futuros projetos artísticos. Tenho agora 46 anos e, portanto, falo de um futuro de provavelmente não mais de 10 anos.


Assim sendo: se tiver quaisquer razões para não responder ao meu pedido, para não se envolver pessoalmente (e eu compreenderia perfeitamente essas razões na sua posição particular, sem qualquer prejuízo para a nossa amizade), por favor, informe-me delas imediata e definitivamente. Diga-me então se me aconselha a contactar pessoalmente o Grão-Duque de Weimar, para que eu o possa persuadir a tomar a iniciativa no apelo aos outros príncipes.


Se também não considerar isso aconselhável, então estou decidido a perguntar a Devrient se ele estaria disposto a mediar com outro príncipe. Se ele também recusar, então a minha intenção final é dirigir-me aos próprios príncipes. A minha conduta futura em relação à Alemanha, que agora também esclareci nestas circunstâncias, dependerá inevitavelmente do sucesso desta etapa.


Em qualquer caso, quer me dirija a si, a Devrient, quer a um dos próprios príncipes, acompanharei o meu pedido com uma explicação muito clara e convincente da minha situação, da minha posição no mundo da arte e das minhas características e necessidades pessoais. Ao mesmo tempo, especificarei precisamente o que prometo oferecer em troca dessa pensão: em primeiro lugar (e em todas as eventualidades, independentemente de poder ou não regressar à Alemanha), oferecerei apenas produtividade ininterrupta e a criação de novas obras; Em seguida, a entrega gratuita de todas as minhas obras concluídas ou futuras aos respectivos teatros principescos; finalmente (assim que eu puder retornar à Alemanha), mediante solicitação especial, meu compromisso pessoal de ensaiar e apresentar minhas óperas, bem como, mediante solicitação, outras obras dignas, por meio das quais espero trazer proveito e honra à arte.


Agora, meu Franz! Esta é a primeira carta deste fatídico Ano Novo de 1859. Ela é dirigida a você, a respeito de um assunto de importância crucial para o meu futuro. Que o Céu e nossa amizade a abençoem com sucesso.


Responda-me o mais breve possível, mas com firmeza e de forma definitiva, pois repito que não desejo, de forma alguma, que meu pedido seja associado à anistia.


Responda-me o mais breve possível, mas com firmeza e de forma definitiva, pois repito que não desejo, de forma alguma, que meu pedido seja associado à anistia.


Agora, meu Franz! Esta é a primeira carta deste fatídico Ano Novo de 1859. Ela é dirigida a você, a respeito de um assunto de importância decisiva para o meu futuro. Mil saudações sinceras às mulheres para quem em breve escreverei uma linda carta.


Atenciosamente,

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