Carta a Eduard Hanslick (1825–1905) 1847

Dresden, den 1. Januar 1847


    

Nehmen Sie, bester Herr Hanslik [sic!], meinen aufrichtigsten Dank für Ihre Zusendung, die heute früh am Neujahrstag bei mir eintraf. Die mir so höchst günstige Intention Ihrer so umfangreichen Besprechung meines „Tannhäusers“ ist mir besonders aus der Rücksicht erfreulich, dass sie mich über den Eindruck nicht zweifeln lässt, den meine Arbeit auf Sie machte. Ein Urteil über Ihr Urteil, wie Sie es so bescheiden von mir wünschten, kann ich Ihnen natürlich nicht geben, denn welches Urteil müsste befangener sein als dies? Wollen Sie die Wirkung erfahren, die ich bei Durchlesung Ihres Aufsatzes empfing, so muss ich der Wahrheit zulieb gestehen, dass diese eine sehr beängstigende war. Mag ich Lob oder Tadel über mich lesen, mir ist es immer, als ob einer in meine Eingeweide griffe, um sie zu untersuchen; ich kann mich in diesem Punkte einer jungfräulichen Scham noch nicht erwehren, in der ich meinen Leib für meine Seele halte: Eine Aufführung meiner Opern vor dem Publikum ist für mich stets ein Kampf so grenzenloser innerer Aufregung, dass ich öfters schon zu Zeiten, wo ich mich diesem Kampfe nicht gehörig gewachsen fühlte, Aufführungen, wenn sie bestimmt waren, zu verhindern suchte. Vollkommen bin ich überzeugt, dass Tadel dem Künstler selbst weit nützlicher ist als Lob: Wer vor dem Tadel zugrund geht, war dieses Unterganges wert, nur wen er fördert, hat die wahre innere Kraft: Dass Lob wie Tadel aber dem Künstler, dem die Natur selbst den heftigsten Sporn der Leidenschaft gab, auch am peinlichsten berührt, muss erklärlich gefunden werden.

Je mehr ich mit immer bestimmterem künstlerischen Bewusstsein produziere, je mehr verlangt es mich, einen ganzen Menschen zu machen; ich will Knochen, Blut u. Fleisch geben, ich will den Menschen gehen, frei u. wahrhaftig sich bewegen lassen, und nun wundre ich mich oft, wenn sich viele nur noch an das Fleisch halten, die Weiche oder Härte desselben untersuchen. Lassen Sie mich deutlicher reden: Nichts hat mich – um von einem einzelnen Gliede zu sprechen – mehr befriedigt als die Wirkung, die in den meisten Vorstellungen des Tannhäuser (ob grade auch in der Vorstellung, welcher Sie beiwohnten, entsinne ich mich nicht genau) die ganze Szene des Sängerkrieges auf das Publikum hervorbrachte: Ich habe erlebt, dass jeder der einzelnen Gesänge darin mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, dass dieser sich bei den letzten Gesängen u. dem schließlichen Ausbruche des Entsetzens der Versammelten auf das Ungewöhnlichste steigerte; ich sage, mich befriedigte diese Wahrnehmung in hohen [sic!]Grade, weil mich diese Wahrnehmung größter Naivität des Publikums darin bestätigte, dass jede edle Absicht erreicht werden kann. Die wenigsten konnten sich klar sein, wem sie diesen Eindruck verdankten, dem Musiker oder – dem Dichter, u. mir kann es nur darin liegen, diese Bestimmung unentschieden zu lassen. Ich kann nicht den besonderen Ehrgeiz haben, durch meine Musik meine Dichtung in den Schatten zu stellen, wohl aber würde ich mich zerstücken u. eine Lüge zu Tage bringen, wenn ich durch meine Dichtung der Musik Gewalt antun wollte. Ich kann keinen dichterischen Stoff ergreifen, der sich nicht durch die Musik erst bedingt: mein Sängerkrieg, wenn das dichterische Element darin vorwaltet, war meiner höheren Absicht nach aber auch ohne Musik nicht möglich. Ein Kunstwerk existiert aber auch nur dadurch, dass es zur Erscheinung kommt: Dies Moment ist für das Drama die Aufführung auf der Bühne, soweit es irgend in meinen Kräften steht will ich auch diese beherrschen, u. ich stelle meine Wirksamkeit zu diesem Zwecke den übrigen Teilen meiner Produktivität fast vollständig zur Seite. In diesem Sinne kann mein Gelingen sich nur in dem unmittelbaren Erfolg der Aufführung, sobald das Fremdartige u. Ungewohnte derselben von der größeren Masse überwunden ist, anssprechen, u. es beruhigt mich, bei edlem Zweck dies Gelingen nur durch edle Mittel erreichbar zu wissen. Wo ich dies Gelingen nicht erreicht sehen konnte, erkannte ich stets einen Fehler, nicht jedoch in dem einzelnen Mittel, sondern im wesentlichen Ganzen. 

Por favor, aceite, meu melhor Sr. Hanslik [sic!], meus mais sinceros agradecimentos por seu documento, que me chegou esta manhã, no dia de Ano Novo. A intenção de sua extensa revisão de meu "Tannhäuser", que é tão altamente favorável a mim, é particularmente agradável para mim do ponto de vista de que não me deixa dúvidas sobre a impressão que meu trabalho causou em você. É claro que não posso lhe dar um veredicto sobre seu julgamento, como você tão modestamente desejou que eu fizesse, pois que julgamento teria de ser mais tendencioso do que esse? Se quiser saber qual foi o efeito que tive ao ler seu ensaio, devo confessar, a bem da verdade, que foi muito assustador. Quer eu leia elogios ou críticas a meu respeito, sempre me sinto como se alguém estivesse mexendo em minhas entranhas para examiná-las; ainda não posso deixar de sentir uma vergonha virginal nesse ponto, no qual acho que meu corpo é minha alma: Uma apresentação de minhas óperas para o público é sempre para mim uma batalha de excitação interior tão ilimitada que muitas vezes tentei impedir apresentações quando elas estavam destinadas, mesmo em momentos em que não me sentia à altura dessa batalha. Estou completamente convencido de que a censura é muito mais útil para o artista do que o elogio: aqueles que perecem diante da censura são dignos dessa queda, somente aqueles a quem ela encoraja têm verdadeira força interior: mas o fato de o elogio, assim como a censura, ser mais embaraçoso para o artista, a quem a própria natureza deu o mais feroz impulso de paixão, deve ser explicado.


Quanto mais eu produzo com uma consciência artística cada vez mais definida, mais exige de mim a criação de um ser humano completo; quero dar ossos, sangue e carne, quero deixar o ser humano andar, mover-se livre e verdadeiramente, e agora fico surpreso quando muitos se atêm apenas à carne, examinando sua maciez ou dureza. Deixe-me falar com mais clareza: Nada me satisfez mais - para falar de um único membro - do que o efeito que toda a cena da guerra do cantor produziu no público na maioria das apresentações de Tannhäuser (não me lembro exatamente se na apresentação a que você assistiu ou não): Percebi que cada uma das canções individuais era recebida com aplausos animados, que isso aumentava até o ponto mais incomum durante as últimas canções e o surto final de horror das pessoas reunidas; digo que essa percepção me satisfez em alto [sic!] grau, porque essa percepção da maior ingenuidade do público me confirmou o fato de que toda intenção nobre pode ser alcançada. Poucos puderam saber claramente a quem deviam essa impressão, ao músico ou ao poeta, e para mim a satisfação só pode estar no fato de deixar essa determinação indecisa. Não posso ter a ambição especial de colocar minha poesia na sombra por meio de minha música, mas eu certamente me destruiria e traria uma mentira à luz se quisesse fazer violência à música por meio de minha poesia. Não posso usar nenhum material poético que não seja primeiramente condicionado pela música: a guerra do meu cantor, no entanto, se o elemento poético prevalecer nela, não seria possível, de acordo com minha intenção mais elevada, mesmo sem música. Uma obra de arte, no entanto, só existe no momento em que aparece: no caso do drama, esse momento é a apresentação no palco; na medida em que isso está ao meu alcance, também quero dominar esse momento e, para isso, coloco minha eficácia quase que completamente de lado em relação às outras partes de minha produtividade. Nesse sentido, meu sucesso só pode ser expresso no sucesso imediato da apresentação, assim que a estranheza e a falta de familiaridade tiverem sido superadas pelas grandes massas, e me tranquiliza saber que, com um propósito nobre, esse sucesso só pode ser alcançado por meios nobres. Quando eu não conseguia ver esse sucesso alcançado, sempre reconhecia uma falha, não nos meios individuais, mas no todo essencial.


Eines noch ist wohl zu erwägen: Da, wo die Musik mitwirkt, drängt sich dieses mächtig sinnliche Element so lebhaft in den Vordergrund, dass die Bedingungen ihrer Wirksamkeit fast als einzig maßgebend erscheinen müssen. Ob nun aber die Musik durch ihr eigenstes Element imstande ist, überall dem zu entsprechen, was eine Dichtung – so musikalisch sie auch immer sei – darbietet, ob Sie imstande sei, zumal der dramatischen Leidenschaft überall u. vollständig zu genügen, wage ich noch nicht zu entscheiden. Glucks Dichtungen machten keinesweges einen erschöpfenden äußersten Anspruch an die Leidenschaftlichkeit der Musik, sie bewegen sich mehr oder weniger in einem gewissen gefesselten konventionellen Pathos – dem der Racine’schen Tragödie –, u. da, wo dieser vollkommen zu überschreiten war, bleibt Glucks Musik uns unverkennbar viel schuldig. Die Dichtungen der mozartischen Opern rührten noch weniger an diesen äußersten Grundfesten der menschlichen Natur: Die „Donna Anna“ ist ein einzelner Moment, der dies Gebiet bei Weitem noch nicht erschöpft. Dem, was sich Spontini im zweiten Akte der Vestalin (Szene der Julia) u. Weber in Einzelnem der Euryanthe (z.B. der Moment nach dem Verrat ihres Geheimnisses an Eglantine pp) bot, konnten beide nur mit jener so getadelten „verminderten Septimen-Akkord-Musik entsprechen, u. ich meines Teiles muss wenigstens an dem, was unsre Vorgänger geleistet, hier eine Grenze der Musik erkennen. Dass wir bei solchen Vorgängen das Höchste u. Wahrste der Oper nicht für ihren rein musikalischen Teil, sondern als dramatisches Kunstwerk im Ganzen bei Weitem noch nicht erreicht haben, muss unbezweifelt bleiben; u. in diesem Sinne u. von dem Standpunkt meiner von mir selbst weit eher bezweifelten als überschätzten Kräfte aus gelten mir meine jetzigen u. nächsten Arbeiten nur als Versuche, ob die Oper möglich sei.

Schlagen Sie die Kraft der Reflexion nicht zu gering an; das bewusstlos produzierte Kunstwerk gehört Perioden an, die von der unseren fern ab liegen: Das Kunstwerk der höchsten Bildungsperiode kann nicht anders als im Bewusstsein produziert werden. Die christliche Dichtung des Mittelalters z.B. war diese unmittelbare, bewusstlose; das vollgültige Kunstwerk wurde aber damals nicht geschaffen, das war Goethe in unserer Zeit der Objektivität vorbehalten. Dass nur die reichste menschliche Natur die wunderbare Vereinigung dieser Kraft des reflektierenden Geistes mit der Fülle der unmittelbaren Schöpferkraft vereinigen kann, darin ist die Seltenheit der höchsten Erscheinungen bedingt, u. wenn wir mit Recht bezweifeln müssen, dass für das von uns besprochene Kunstgebiet eine solche Begabtheit sobald sich zeigen werde, so ist doch die mehr oder weniger glückliche Mischung beider Geistesfähigkeiten schon jetzt in jedem Kurs wirklich förderlich sein sollenden Künstler als auffindbar vorauszusetzen, und die Getrenntheit dieser Gaben als zum höheren Zweck – genau genommen – unwirksam anzusehen.

Was mich um eine Welt von Ihnen trennt, ist Ihre Hochstellung Meyerbeers; ich sage dies mit vollster Unbefangenheit, denn Meyerbeer ist mir persönlich sehr befreundet, u. ich habe allen Grund, ihn als liebenswürdigen, teilnehmenden Menschen zu schätzen. Aber wenn ich alles zusammenfasse, was mir als innere Zerfahrenheit u. äußere Mühseligkeit im Opern-Musikmachen zuwider ist, so häufe ich dies in den Begriff „Meyerbeer“ zusammen, u. dies umso mehr, weil ich in der Meyerbeer’schen Musik ein großes Geschick für äußerliche Wirksamkeit erkenne, die umso mehr die edle Reife der Kunst zurückhält, als sie mit aller Verleugnung der Innerlichkeit in jeder Farbe zu befriedigen sucht: Wer sich in das Triviale verirrt, der hat es an seiner edleren Natur zu büßen; wer es aber absichtlich aufsucht, der ist glücklich, denn er hat es an nichts zu büßen. –

Sie sehen, wie geschwätzig Sie mich gemacht haben! Lassen Sie dabei schließlich aber die Hauptsache nicht vergessen, damit ich Ihnen nochmals meinen Dank für die große Mühe, die Sie sich um mich gegeben haben, u. um der schönen Absicht willen, die dieser Bemühung zugrunde lag, ausspreche: Nun ich mich etwas ausgeplaudert, fühle ich auch, wie nützlich Sie Ihre Absicht für mich in jeder Hinsicht erreicht haben.

Leben Sie wohl u. lassen Sie mir bald wieder etwas von sich hören.

Der Ihrige

Richard Wagner 


Mais uma coisa deve ser considerada: Quando a música está envolvida, esse poderoso elemento sensual se coloca tão vividamente em primeiro plano que as condições de sua eficácia parecem ser quase o único fator decisivo. No entanto, ainda não me atrevo a decidir se a música, por meio de seu próprio elemento, é capaz de corresponder em todos os lugares ao que um poema - por mais musical que seja - apresenta, se ela é capaz, especialmente, de satisfazer a paixão dramática em todos os lugares e completamente. Os poemas de Gluck de forma alguma exigiram de forma exaustiva e extrema a paixão da música; eles se movem mais ou menos dentro de um certo limite de pathos convencional - o da tragédia de Racine - e onde isso poderia ser completamente transcendido, a música de Gluck inequivocamente nos deve muito. Os poemas das óperas de Mozart tocaram ainda menos nesses fundamentos mais externos da natureza humana: "Donna Anna" é um momento único que de forma alguma esgota essa área. O que Spontini ofereceu no segundo ato de Vestalin (cena de Júlia) e o que Weber ofereceu em momentos individuais de Euryanthe (por exemplo, o momento após a traição de seu segredo para Eglantine etc.), ambos só poderiam corresponder à "música de acordes de sétima diminuta" que foi tão criticada, e eu, de minha parte, devo pelo menos reconhecer um limite de música aqui no que nossos predecessores alcançaram. O fato de não termos alcançado, de forma alguma, o mais alto e verdadeiro da ópera em tais processos, não por sua parte puramente musical, mas como uma obra de arte dramática como um todo, deve permanecer indubitável; e, nesse sentido, e do ponto de vista de meus poderes, dos quais eu mesmo duvido em vez de superestimar, meu trabalho atual e os próximos se aplicam a mim apenas como experimentos sobre a possibilidade da ópera.

Não subestime o poder da reflexão; a obra de arte produzida inconscientemente pertence a períodos muito distantes do nosso: A obra de arte do período mais elevado da educação não pode ser produzida de outra forma que não seja na consciência. A poesia cristã da Idade Média, por exemplo, era essa imediata, inconsciente; a obra de arte totalmente válida, no entanto, não foi produzida naquela época; isso foi reservado para Goethe em nosso tempo de objetividade. O fato de somente a natureza humana mais rica poder unir a maravilhosa união desse poder do espírito reflexivo com a plenitude do poder criativo imediato é a razão da raridade dos fenômenos mais elevados e, se tivermos que duvidar justificadamente, é a raridade dos fenômenos mais elevados. Mesmo que estejamos justificados em duvidar que tal talento logo se tornará aparente no campo da arte que estamos discutindo, já se deve presumir que a mistura mais ou menos feliz de ambas as faculdades mentais possa ser descoberta em todo artista que se pretenda verdadeiramente benéfico, e a separação desses dons deve ser considerada - estritamente falando - ineficaz para o propósito mais elevado.

O que me separa de você por um mundo é sua grande consideração por Meyerbeer; digo isso com a maior imparcialidade, pois Meyerbeer é um grande amigo meu e tenho todos os motivos para estimá-lo como uma pessoa gentil e simpática. Mas quando eu resumo tudo o que é repugnante para mim na forma de turbulência interior e laboriosidade exterior na produção musical de ópera, então eu amontoo tudo no termo "Meyerbeer", e ainda mais porque eu reconheço na música de Meyerbeer uma grande habilidade para a eficácia externa, que retém a nobre maturidade da arte ainda mais porque procura satisfazer em todas as cores com toda a negação da interioridade: Aquele que se desvia para o trivial tem que compensar isso em sua natureza mais nobre; mas aquele que deliberadamente busca isso é feliz, pois não tem que compensar isso em nada. -

Veja como você me deixou tagarela! No final, no entanto, não me deixe esquecer o principal, para que eu possa mais uma vez expressar meus agradecimentos pelo grande trabalho que teve comigo e pela bela intenção que foi a base desse esforço: agora que já falei um pouco sobre mim mesmo, também sinto o quanto foi útil você ter alcançado sua intenção para mim em todos os sentidos.

Adeus e aguarde seu contato em breve.

Atenciosamente

Richard Wagner 


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