Cartas rei Luis II 23./24. Februar 1869”

Allgeliebtester holder Herr und Freund!

Heute Vormittag legte ich zum letzten Male die Hand an den zweiten Akt des Siegfried: Auch dieser ist nun bereit, in Ihre königliche Freundeshand überzugehen, und fast kann ich kaum dem Gelübde widerstehen, Ihnen sofort einen Einblick in die nun gänzlich vollendeten Teile meines Werkes zu geben. Doch hätte dies keinen Sinn; denn Sie haben das Recht, das Ganze von mir zu fordern: Und – so Gott hilft! – werde ich an Ihrem hohen Tage dieses Jahres mit Ehren bestehen können.

Es ist eben doch eine große und namentlich auch mühsame Arbeit. Warum so wenig ganz Vollendetes in der Welt zustande gekommen ist, erklärt sich zum Teil gewiss auch daraus, dass ein wahres Genie sich nicht nur in der umfassenden Schnelligkeit der Konzeption eines großen Planes, sondern namentlich auch in der – gewiss! – leidenschaftlichen, ja peinlichen Ausdauer bewährt, welche die volle Verwirklichung seines Planes erfordert. 

Hier ist “mit flüchtigen Andeutungen nichts getan, sondern, was wie der Blitz uns durchzuckt, ist, künstlerisch betrachtet, ein wunderbar verkettetes, feingliederiges Geschmeide, an dem jeder Edelstein, jede Perle, jedes Ringlein mit sorgsamem Fleiße, wie ein Kunstwerk für sich, gefügt sein will. So bin ich denn erst jetzt mit dieser Reinschrift für Sie (welche zugleich für das Erste als Modell einer Kopie für den Gebrauch dienen soll) mit dem ehemalig Entworfenen gänzlich fertig geworden.

Diese Ausführungsarbeit diente denn nun aber auch dazu, durch anhaltende Beschäftigung damit, mich gänzlich erst wieder in den Geist meines Werkes zu versetzen und darin mich wieder so heimisch zu machen, dass ich eben nur fortfahren kann, als ob ich nie darin unterbrochen worden wäre. Gewiss war meine große Besorgnis natürlich, mit welcher ich an diese Wiederanknüpfung ging. Eine Unterbrechung von zwölf Jahren bei einem Werke ist gewiss unerhört in der Kunstgeschichte: Und wenn es sich nun zeigt, dass diese Unterbrechung nichts an der Frische meiner Konzeption ändern konnte, so darf ich dieses wohl als Beweis dafür anrufen, dass diese Konzeptionen ein ewiges Leben haben, nicht von gestern und für morgen nur sind. 

Die letzte sehr eingehende Ausarbeitung des zweiten Aktes hat mich denn oft in einer Weise gefesselt und angemutet, dass ich im Entzücken oft recht an mich halten musste. Doch einmal schrieb ich der Freundin45 schnell nur diese Zeilen: „Der Siegfried ist göttlich. Es ist mein größtes Werk!“ Ich will Ihnen die Stelle bezeichnen, die mich da eben so kühn erfreuend anregte. Siegfried hat Fafner erlegt: Das zuvor ihn anmutig fesselnde Waldweben wird da zum Zauber; er versteht den Waldvogel, geht, wie gelenkt von holder Betäubung und gleichsam nur einer Weisung gehorchend, ohne zu wissen, was er damit tut, in die Höhle des Wurmes, den Schatz zu heben; das lauernde Nibelungenpaar stürzt aufeinander, um jedes für sich den Hort dem Knaben abzugewinnen; Zank, unerhörter Hader darum. Da tritt Siegfried, sinnend in die Betrachtung des Ringes vertieft, wieder aus der Höhle, auf die Anhöhe davor, heraus: Die Nibelungen “bemerken mit Schrecken, dass er diesen Ring von dem Horte erwählt hat, und ziehen sich zurück, um jeder auf seine Weise dem Ringe nachzustreben.

Siegfried, den Ring und den Tarnhelm betrachtend: „Was ihr mir nützt, weiß ich nicht.“ Während er hervortritt, hört man unheimlich (zu den Reden der beiden Nibelungen) das Motiv des Ringes durch die Begleitung sich winden: Jetzt geht es, mit höchster, geisterhafter Weichheit, in das Thema der Rheintöchter, am Schlusse des Rheingoldes (Sie wissen dies vom letzten Abende im Residenztheater her?) über: „Rheingold! Reines Gold! ach, leuchtetest du noch in der Tiefe!“ Dieses lassen jetzt, zu dem leisen Zittern der Saiteninstrumente, sechs Hörner, wie aus einer fernen Natur-Traumwelt her, vernehmen. Die bedeutungsvolle Rührung, die uns hier erfasst, ist überwältigend! Als der Vogel von Neuem Siegfried vor dem heranschleichenden Mime gewarnt und dieser von Ferne ihm sich nähert, überlegend, wer dem Knaben wohl den Ring nachgewiesen haben könnte, hören wir leise, leise die liebevolle Sorge der Mutter Sieglinde um den Sohn, den sie sterbend gebar, in melodischer Zartheit erklingen. Der Vogel spannt fortgesetzt durch leise Warnungsphrasen unsre Aufmerksamkeit, als Mime sich nun schmeichelnd an Siegfried wendet. Endlich, da nun auch Mime erschlagen, bricht in dem bisher so übermütigen Jüngling das Gefühl der gänzlichen Einsamkeit schmerzlich hervor: Nur Bär, Wolf, Lindwurm sind sein Umgang; der Waldvogel, dessen Sprache er nun versteht, ist ihm wie das einzige Wesen, dem er sich verwandt fühlt. Und nun der Wonneschreck, als dieser ihm Brünnhilde verkündet!! Ja, und was das alles heißt? Das ist keine Familienkinderszene: Das Schicksal der Welt hängt von dieser göttlichen Einfalt und Einzigkeit des furchtlosen Einzigen ab!

Ja! – Mein Siegfried ist schön, Sie teurer Edler! Mein König!


Am andern Morgen, 24. Febr.


Soweit noch gestern Abend! Wollte ich Ihnen heute noch vom Siegfried berichten, so müsste ich von dunklen, erhabenen, furchtbaren Schauern reden, mit denen ich in das Bereich meines dritten Aktes eintrete. Da treffen wir, wie die Hellenen in der dampfenden Erdspalte zu Delphi, auf den Mittelpunkt der großen Welttragödie: Ein Weltuntergang steht bevor; der Gott sorgt für die Wiedergeburt der Welt, denn er ist der Wille der Weltwerdung selbst. Hier ist alles erhabenes Grauen, nur in Rätseln ansprechbar. Seit jener Zeit, wo ich von der wundervollen Hohenschwangau-Woche nach München zurückkehrte und bange Fragen über Unser Schicksal aufzuwerfen hatte, entstand mir und verfolgt mich nun das Thema, das Uns sogleich beim Beginne dieses Aktes zu begrüßen hat und uns die Entscheidung, die letzte Frage, den letzten Willen des Weltengottes ankündigen soll. Ein Schauder hielt mich bisher ab, aufzuzeichnen, was oft auf einsamen Wanderungen bei Sturm und Wetter licht wie Blitzesleuchten in mir aufschlug. Doch auch der stolze Jubel des für den Tod vereinigten Paares fand in diesen Zeiten seine Töne: Sie gleichen dem Jauchzen der Heldenbrust, die ihre Sieges-Liebes-Freude in die hohen Alpen ruft, um durch den unendlichen Widerhall sie der Ewigkeit zu überlassen.

So musste ich denn auch, wie Wotan, die Welt des Willens hinter mir mit letztem Willen fest und unentriegelbar abschließen: Dies tat ich! Nichts soll mir sie wieder öffnen! Ich litt in ihr und für sie, was ich zu leiden vermochte: nun hab’ ich das Recht erworben, ihr nicht mehr anzugehören! Sie werden einst, mein huldvollster Freund, begreifen, was ich Ihnen hiermit sage und andeute! Und so bin ich nun bereit, mich in dieses letzte Grauen zu werfen: Denn laut höre ich auch schon das Echo der Berge den Jubel der Erlösung mir widertönen. Die nahenden drei Lenzmonde, die so gewaltig sich bereits in die Welt drängen, sollen auch diesen lang versparten Akt meines Werkes zur letzten Blüte treiben! So steht es in den Sternen, die meinem einsamen Hause leuchten: Dort links im Norden der „Wagen“, das altgetreue Siebengestirn; hier rechts im Süden das flammende Schwert des Orion: Zwischen ihnen im Nordost: Jupiter, einsam und strahlend. [...]

Caro cavalheiro e amigo!

Esta manhã, coloquei minhas mãos pela última vez no segundo ato de Siegfried: este também está pronto para passar para as mãos de seu amigo real, e eu não posso resistir ao desejo de lhe dar uma visão imediata das partes agora completamente concluídas do meu trabalho. Mas isso seria inútil, pois o senhor tem o direito de exigir de mim o todo: E - que Deus o ajude! - poderei passar com honra pelo seu grande dia este ano.

É, afinal, uma tarefa grande e especialmente árdua. A razão pela qual tão poucas obras completamente concluídas foram produzidas no mundo pode certamente ser explicada em parte pelo fato de que o verdadeiro gênio não se encontra apenas na velocidade abrangente da concepção de um grande plano, mas também na - certamente! - na perseverança apaixonada e até mesmo meticulosa que a realização completa de seu plano exige. 

Aqui, nada é feito com sugestões passageiras, mas o que nos atinge como um relâmpago é, do ponto de vista artístico, uma peça de joalheria maravilhosamente interligada e finamente articulada, na qual cada pedra preciosa, cada pérola, cada anel deve ser unido com cuidadosa diligência, como uma obra de arte em si. Portanto, somente agora, com esta cópia justa para você (que, ao mesmo tempo, deve servir como modelo de uma cópia para uso), é que terminei completamente o que um dia projetei.

Esse trabalho de execução também serviu para me colocar completamente de volta no espírito de meu trabalho por meio da ocupação contínua com ele e para me deixar tão à vontade nele novamente que só posso continuar como se nunca tivesse sido interrompido. Certamente, a grande ansiedade com que me aproximei dessa retomada era natural. Uma interrupção de doze anos em um trabalho é certamente inédita na história da arte: e se agora se constatar que essa interrupção não mudou nada no frescor da minha concepção, então posso muito bem chamar isso de prova de que essas concepções têm uma vida eterna, não são de ontem e apenas para amanhã. 

A última e detalhada elaboração do segundo ato muitas vezes me cativava de tal forma que eu tinha que me conter em meu prazer. Mas uma vez escrevi para um amigo apenas estas linhas: "Siegfried é divino. É minha maior obra!" Vou lhe contar a passagem que me inspirou com tanta ousadia. Siegfried matou Fafner: A tecelagem da floresta que antes o cativara graciosamente se torna mágica; ele entende o pássaro da floresta, entra na caverna do verme, como se fosse guiado por uma suave estupefação e, por assim dizer, obedecendo apenas a uma instrução, sem saber o que está fazendo, para levantar o tesouro; o casal Nibelungo à espreita corre um para o outro, cada um para arrancar o tesouro do rapaz; brigam, em uma disputa inaudita por isso. Em seguida, Siegfried, absorto na contemplação do Anel, sai novamente da caverna e vai para a colina em frente a ela: os nibelungos "percebem com horror que ele escolheu esse Anel do tesouro e se retiram para persegui-lo, cada um à sua maneira".

Siegfried, olhando para o Anel e para o Tarnhelm: "Que utilidade vocês têm para mim, eu não sei". Quando ele emerge, ouve-se assustadoramente (nos discursos dos dois Nibelungos) o motivo do Anel serpenteando pela companhia: Agora ele passa, com a mais alta e fantasmagórica suavidade, para o tema das Rhinemaidens, no final de Rheingold (você sabe disso da última noite no Residenztheater?): "Rheingold! Ouro puro! Oh, se você ainda brilhasse nas profundezas!" Isso agora é ouvido, junto com o tremor silencioso dos instrumentos de corda, por seis trompas, como se viessem de um mundo de sonho natural distante. A emoção significativa que nos envolve aqui é avassaladora! Quando o pássaro avisa Siegfried novamente sobre o Mime rastejante e este se aproxima dele à distância, perguntando-se quem poderia ter dado o anel ao menino, ouvimos a preocupação amorosa da mãe Sieglinde com o filho que ela deu à luz e que está morrendo, soando com ternura melódica. O pássaro continua a chamar nossa atenção com frases suaves de advertência, enquanto Mime agora se volta para Siegfried em tom de lisonja. Por fim, agora que Mime também foi morto, o sentimento de completa solidão irrompe dolorosamente no jovem até então bem-humorado: Apenas o urso, o lobo e o verme são sua companhia; o pássaro da floresta, cuja linguagem ele agora entende, é como a única criatura com a qual ele sente afinidade. E agora a emoção da alegria quando lhe dizem que Brünnhilde está chegando! Sim, e o que tudo isso significa? Essa não é uma cena de criança em família: o destino do mundo depende dessa simplicidade divina e da singularidade do único destemido!

Sim! - Meu Siegfried é lindo, seu querido nobre! Meu rei!


Na manhã seguinte, 24 de fevereiro.


Lá se foi a noite passada! Se eu quisesse falar sobre Siegfried hoje, teria de falar sobre os arrepios sombrios, sublimes e terríveis com os quais entro na área do meu terceiro ato. Lá nos encontramos, como os helenos na fissura fumegante da terra em Delfos, o centro da grande tragédia mundial: o fim do mundo é iminente; o deus cuida do renascimento do mundo, pois ele é a vontade do próprio devir do mundo. Aqui tudo é horror sublime, acessível apenas por meio de enigmas. Desde aquela época, quando retornei a Munique após a maravilhosa semana em Hohenschwangau e tive que levantar questões ansiosas sobre Nosso destino, o tema que deve nos saudar imediatamente no início deste ato e que deve nos anunciar a decisão, a última questão, a última vontade do deus-mundo, surgiu e agora me assombra. Até agora, um calafrio me impediu de registrar o que muitas vezes, em caminhadas solitárias em meio a tempestades e intempéries, me atingiu como um relâmpago. Mas o júbilo orgulhoso do casal unido pela morte também encontrou seus tons nesses tempos: eles se assemelham ao grito do peito do herói que chama sua alegria de amor vitorioso para os altos Alpes a fim de para deixá-los para a eternidade por meio do eco infinito.

Assim, como Wotan, eu também tinha que fechar o mundo da vontade atrás de mim com uma vontade final que fosse firme e inquebrável: Isso eu fiz! Nada o abrirá para mim novamente! Sofri nele e por ele o que pude sofrer: agora adquiri o direito de não mais pertencer a ele! Um dia, meu amigo mais gracioso, você entenderá o que estou lhe dizendo e insinuando! E agora estou pronto para me lançar neste último horror: Pois já estou ouvindo o eco das montanhas ressoando o júbilo da redenção para mim. As três luas lenticulares que se aproximam, e que já estão se impondo com tanta força no mundo, também levarão esse ato tão esperado do meu trabalho ao seu florescimento final! Assim está escrito nas estrelas que brilham em meu lar solitário: Lá, à esquerda, no norte, a "Carruagem", a antiga estrela de sete pontas; aqui, à direita, no sul, a espada flamejante de Órion; entre elas, no nordeste: Júpiter, solitário e radiante. [...]








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