Carta Theodor Apel Frankfurt, den 21. Aug. 1835.

 Mein Theodor, Zwar stehe ich selbst im Begriff nach Leipzig zu kommen, u. Dich zu sehen u. zu sprechen, doch weiß 25 ich für heute nicht anders den unaufhörlich sich drängenden Schmerzens- u. Angst-Gefühlen zu wehren, — ich muß Dir heute, — jetzt in dieser Stunde schreiben. Die Thränen stürzen mir aus den Augen, wie damals in meiner Knabenzeit, wenn ich gegen Jemand, den ich liebte, gesfindigt hatte, u. ihn um Vergebang bitten sollte. — Mein Theodor, wohin bin ich gekommen? Wohin ist jener freie schöne Lebensmuth, in dem wir uns gegenseitig anfeuerten? Wohin ist jene Zukunft, auf die wir stolz im Gefühle des Sieges hinstrebten? — Vielleicht hast Du Dir Alles erhalten, — ja wol nur noch schöner ausgebildet; — ich weiß es nicht, — weil wir überhaupt ein halbes Jahr nichts mehr von uns wissen, — aber, ich vermuthe — ich hoffe — ich wünsche es; — Du hast einen bessern Freund gefunden, — einen Freund, den Du mehr achten, — mehr schätzen kannst, — der Dir mehr sein muß, als Dein alter Richard! — O, ich kann vor Thränen nicht weiter schreiben; warum denn noch diese Weichheit! — — Ich war wieder in Teplitz, Theodor, u. habe ein trauriges Jahresfest gefeiert; — ich war auch wieder in Prag, sprach dort die Mätressen des Gr. Baar, u. des Br. Bethman, — die wir früher unter dem Namen Jenni und Auguste kannten; — ich war auch in Karlsbad; — ach, und ich war auch in Würzburg; ~ mein Mädchen war wärend der Zeit einmal nieder -gekommen, ein Bauer -Lümmel war mein glücklicher Nebenbuhler. Theodor, Theodor, — wie hat mich das Glück verlassen, seitdem Du mich verließest! O, nur ein einziger Wink, daß mich das Glück noch liebt, u. ich will suchen, das Leben wieder lieb zu gewinnen. Es ist Alles, Alles von mir geschwunden; — alle Poesie flieht vor mir, und eine nichtswürdig nackte Wahrheit breitet sich endlos vor mir aus! — Mein Gott, es ist mir, als ob alle Jugendblüthe von mir verschwinde, als ob sich jenes kalte Leben wie ein Frost um meine Schläfe lege, um aller Wärme u. Liebe zu wehren! — O, sollte ich schon Alles genossen haben, was mir zu genießen bestimmt? War das mein Leben? Ja, ja, — ich habe gesündigt; — u. doch nicht! Sfindigt man, wenn man wahnsinnig Ist? — Mit meiner Familie bin ich zerfallen, u. unser VerhältniO muß ich als aufgelöst betrachten; — ich selbst brachte es soweit I Leipzig kenne ich nicht mehr; ich werde es nie wieder auf län- s gere Zeit betreten I Eine Mutter, die mich herzlich liebt, ist Alles was ich noch habe, — nichts weiter! — Theodor, — habe ich noch einen Freund? Besitze ich noch Deine Liebe, Dein Vertrauen? — O sag* mir, sag* mir, — wie denkst Du über mich ? Ein so edles, herrliches Gemuth lo wie das Deine verloren zu haben, heißt viel, — für mich Alles verloren zu haben! Wenn auch Du mich verkennen könntest, — u. bei Gott, Theodor, es wäre nichts Unmögliches; — es gehört eine unendliche Festigkeit von Deiner Seite dazu, von Deinem Standpunkte aus an i5 mir nicht irr zu werden! — Ach, und das muß ich fühlen, u. doch nur auf Dich zurückgewiesen sein! —

— Nimmst Du von mir Abschied, dann leb' wohl Du liebe Welt!


Ah, welche Wohlthat, — ich habe mich tüchtig aus- 20 geweint; ich habe es lange nicht gekonnt; — wie ein herrlicher, erquickender Gewitter-Regen nach langer, anhaltender Dürre u. Hitze strömten mir die Thränen über. Ich bin etwas ruhiger, u. will auch jetzt ruhiger an Dich schreiben. — Mein Leben habe ich bis jetzt sehr ver- 25 fahren; — Liebster, ich war nicht schlecht, — ich war wahnsinnig; es ist der einzige Ausdruck, den ich für meine Handlungsweise habe, — es war ein konventioneller Wahnsinn! Ich sehe jetzt nur zu gut, daß das Geld keine Chimäre, keine verächtliche, werthlose Neben- 30 Sache sei; — ich bin jetzt zu der Überzeugung gekommen^ daß das Geld jetzt so gut Fleisch u. Blut bekommen hat, wie die Gesellschaft, unter die der Mensch gestellt ist. Ich war im Wahnsinn sage ich, denn ich begriff mich u. meine Stellung zur Welt nicht; — ich wußte, daß ich nicht den mindesten begründeten Anhalt n. Ruckhalt hatte, u. handelte doch wie ein Toller, überschritt meine Verhältnisse in jeder Beziehung, u. noch dazu mit der Unwissenheit u. Unerfahrenheit eines Menschen, der eben nie begründete Ansprüche auf Geld hat; jeder andere, u. zumal ein Reicher verschwendet nicht so, wie eben ich. Die Folge nun war eben ein komplizirter Strudel von Wirrsalen u. Misere, deren Verwickelungen ich nicht anders als mit Grausen betrachten kann. Mir die Einzelheiten nachzurechnen vermag ich selber nicht, — es ist unerhört u. unerklärlich, in welchen Abgrund ich gerathen.

Meu Theodor, embora eu esteja prestes a ir a Leipzig para vê-lo e falar com você, não sei como afastar hoje a dor e o medo que me afligem incessantemente — preciso escrever-lhe hoje, agora mesmo, nesta hora. Lágrimas escorrem dos meus olhos, como acontecia na minha infância, quando magoei alguém que amava e tive que implorar seu perdão. Meu Theodor, para onde fui? Onde está aquele entusiasmo livre e belo pela vida com que nos incentivávamos mutuamente? Onde está aquele futuro pelo qual lutávamos com tanto orgulho, sentindo a vitória? Talvez você tenha preservado tudo — aliás, talvez até o tenha desenvolvido de forma mais bela; não sei, pois não nos falamos há seis meses —, mas suspeito — espero — desejo que sim; — você encontrou um amigo melhor, — um amigo que você respeita mais, — que ama mais, — que deve significar mais para você do que o seu velho Richard! — Oh, não consigo escrever mais nada por causa das lágrimas; por que essa fragilidade! — Estive em Teplitz novamente, Theodor, e celebrei um triste aniversário; — Estive também em Praga novamente, onde conversei com as senhoras de Great Baar e o Irmão Bethman, — a quem antes conhecíamos como Jenni e Auguste; — Estive também em Carlsbad; — ai de mim, e também em Würzburg; ~ minha filha deu à luz uma vez durante esse tempo, um camponês grosseiro foi meu rival sortudo. Theodor, Theodor, — como a sorte me abandonou desde que você me deixou! Oh, apenas um único sinal de que a sorte ainda me ama, e eu buscarei reconquistar a vida. Tudo, tudo desapareceu de mim; — Toda a poesia foge de mim, e uma verdade nua e sem valor se estende infinitamente diante de mim! — Meu Deus, é como se todo o viço da juventude estivesse desaparecendo de mim, como se essa vida fria estivesse agarrando minhas têmporas como geada para afastar todo calor e amor! — Oh, já desfrutei de tudo o que me estava destinado a desfrutar? Essa era a minha vida? Sim, sim, — pequei; — e, no entanto, não! É isso que se encontra quando se está insano? — Meu relacionamento com minha família desmoronou, e devo considerar nossa relação dissolvida; — eu mesmo cheguei a esse ponto. Não conheço mais Leipzig; nunca mais pisarei lá por muito tempo. Uma mãe que me ama profundamente é tudo o que me resta, — nada mais! — Theodor, — ainda tenho um amigo? Ainda possuo seu amor, sua confiança? — Oh, diga-me, diga-me, — o que você pensa de mim? Ter perdido um espírito tão nobre e glorioso como o seu significa muito — ter perdido tudo por mim! Mesmo que você pudesse me entender mal — e, por Deus, Theodore, não seria impossível; — é preciso uma firmeza infinita da sua parte para não se deixar levar por uma perspectiva equivocada! — Ah, e eu devo sentir isso, e ainda assim ser a única pessoa em quem você confia! —

— Se você se despedir de mim, então adeus, querido mundo!


Ah, que alívio! Chorei bastante; fazia tempo que não conseguia; como uma tempestade gloriosa e refrescante depois de uma longa seca e calor intenso, as lágrimas me inundaram. Estou um pouco mais calmo e agora escreverei para você com mais tranquilidade. Fiz uma grande bagunça da minha vida até agora; querido, eu não era mau, eu era louco. É a única expressão que encontro para descrever minhas ações: foi loucura pura! Agora vejo muito bem que o dinheiro não é uma quimera, nem uma ninharia desprezível e sem valor; cheguei à convicção de que o dinheiro ganhou tanta carne e osso quanto a sociedade em que o homem está inserido. Eu era insano, digo, porque não entendia a mim mesmo nem minha posição no mundo; sabia que não tinha a menor razão para me sustentar, e ainda assim agi como um louco, excedendo minhas possibilidades em todos os aspectos, e além disso, com a ignorância e a inexperiência de alguém que nunca teve qualquer direito justificado ao dinheiro. Ninguém mais, e especialmente ninguém rico, desperdiça como eu. A consequência foi precisamente um turbilhão complexo de confusão e miséria, cujos emaranhados só posso contemplar com horror. Não consigo calcular os detalhes por mim mesmo — é inédito e inexplicável em que abismo caí.


Deine enormen u. anhaltenden Anstrengungen mich aus ihm zu retten, machten mich nur noch kühner, u. ließen mich auf ein blindes Etwas vertrauen, wovon ich mir zwar keine Rechenschaft zu geben wußte, daß mir aber meine Augen immer mehr mit Blindheit schlug. Mein Leben in Leipzig, meine erbärmliche Stellung, die ich dort einnahm, war mir unerträglich zur Last; es drängte mich nach sogenannten unabhängigen Kraftäußerungen; ich machte Ausflüge u. Ausschweifungen, deren Ergebnis im Verein mit den noch nachwärenden Folgen meiner früheren Thorheiten mich vollends mit meiner Familie entzweiten, u. endlich den Bruch mit allen meinen Verhältnißen nach sich gezogen haben. Was mein Besseres Inneres, mein Kunstgenius dabei litten, ist unaussprechlich! Dieß ist mein Standpunkt; ich erkenne ihn klar. Ich könnte mich jetzt mit dieser neuerworbenen Einsicht begnügen, u. mich eines Bessern befleißen; — Stände ich jetzt von allen Folgen meiner fortgesetzten Thorheiten frei, so könnte ich jetzt ruhig meinem Schicksal entgegensehen; — ich habe mir jetzt ffir die nächste Zukunft einen sichern u. guten Erwerb verschafft, u. mit meinen neuen Erfahrungen, u. mit der dabei gewonnenen Überzeugung, daß ich fortan nur auf mich selbst u. meine Kraft angewiesen bin, um Alles wieder gut zu machen, kann ich jetzt wohl hoffen eine 5 neue Bahn zu betreten. Ich kann aber Magdeburg nicht eher wieder betreten, bis ich eine Schuldenlast von 400 Thalern von mir gewälzt habe. So stehe ich, — bin verlassen u. getrennt von Allem, von Allem, worauf ich sonst zählte, nur noch begleitet von den ängstlichen, lo bangen Sorgen meiner Mutter; — sie kann mir nichts geben. Du bist der Einzige, auf den ich noch hingewiesen bin, u. ich habe den Muth dieß noch auszusprechen, ohne zu fürchten. Dich zu erzürnen u. von mir abzuwenden; — aller andere Rückhalt, jede andere 15 Hoffnung hat mich getäuscht, u. eben diese Enttäuschung, der ich mir jetzt klar bewußt bin, treibt mich zu dem äußersten Muthe, jetzt noch einmal so vor Dich hinzutreten. Vielleicht bin ich nun an dem Punkt angekommen, an dem ich endlich gänzlich scheitere; — vielleicht 20 wendest Du Dich voll Schmerz über eine Täuschung in meiner Freundschaft zu Dir kalt von mir; es kann sein, daß ich Dein Vertrauen auf meine Redlichkeit auf das Äußerste gespannt habe, daß Deine Langmuth erschöpft ist; — wird dieß der Fall sein, dann würde mich auch 25 mein Elend soweit treiben. Deiner nicht mehr werth zu sein. — Aber vorher rufe ich Dir nur noch dieses zu : — halte unseren gegenwärtigen Standpunkt nicht für eine Zufälligkeit dieses Lebens; siehe es als ein Ereigniß von größter Wichtigkeit Deines u. meines Lebens an, — 30 u. in der That, das ist es, — es ist meine WiederGeburt. Glaube, — sollte sich mein Geist noch einmal reich u. schön entfalten, — woran ich jetzt verzweifele,

— so wird es der Welt nicht verborgen bleiben, wer ihn rettete. Ueberlege, mein Theodor, wovon es sich handelt! Ich dränge Dich im Uebrigen nicht wider Deine lieberZeugung; — ein schnelles Ende ist besser als ein langsames. — Das wäre das ErgebniO dieses Jahres! — Ich fing diesen Brief unter den heftigsten GemüthsWallungen an, — u. mehr Thränen entfloßen meinen Augen als Worte meiner Feder; — es war wohlthätig:


— ich bin jetzt zu einer heiligen Ruhe gekommen; — 10 ich habe gebeichtet, die Absolution steht bei Dir. —


Ich hoffe morgen von hier abreisen zu können; u. einen Tag später als dieser Brief komme ich zu Dir; — wie wirst Du mich empfangen? — Ich soll den 28. d. M. in Magdeburg eintreffen; — ob ich es kann, steht bei


15 Dir! Mein Gott, mein Gott, wie weit ist es mit mir gekommen! — Wende Du Dich noch von mir, so bin ich — am Weitesten gekommen! — Leb wohl, leb wohl! Gedenke mein!

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Seus enormes e persistentes esforços para me resgatar dele só me tornaram mais ousado e me levaram a depositar minha confiança em algo cego, algo que eu não conseguia explicar, mas que me cegava cada vez mais. Minha vida em Leipzig, a posição miserável que eu ocupava lá, era um fardo insuportável; isso me levou a buscar as chamadas expressões independentes de força; fiz excursões e me entreguei a indulgências, cujos resultados, combinados com as consequências persistentes de minhas tolices anteriores, me alienaram completamente da minha família e, por fim, levaram ao rompimento de todos os meus relacionamentos. O que minha força interior e meu gênio artístico sofreram como resultado disso é indizível! Este é o meu ponto de vista; reconheço-o claramente. Eu poderia agora me contentar com essa nova compreensão e lutar por uma vida melhor; — se eu estivesse livre de todas as consequências das minhas contínuas tolices, poderia agora encarar meu destino com calma; — agora consegui uma boa renda para o futuro próximo e, com minhas novas experiências e a convicção que adquiri de que, daqui para frente, dependo apenas de mim mesmo e da minha própria força para consertar tudo, posso agora esperar trilhar um novo caminho. Contudo, não posso retornar a Magdeburgo enquanto não quitar uma dívida de 400 táleres. Assim me encontro — abandonado e separado de tudo, de tudo em que um dia confiei, acompanhado apenas pelas preocupações ansiosas e temerosas de minha mãe; — ela não pode me dar nada. Você é o único a quem ainda posso recorrer, e tenho a coragem de expressar isso sem medo de irritá-lo e de que você se afaste de mim; — todo o apoio, toda a esperança me decepcionaram, e é precisamente essa decepção, da qual agora tenho plena consciência, que me impulsiona a ter a maior coragem para comparecer diante de você mais uma vez. Talvez eu tenha chegado ao ponto em que finalmente falharei completamente; — talvez, 20, você se afaste friamente de mim, tomado pela tristeza por uma traição em minha amizade; pode ser que eu tenha levado sua confiança em minha honestidade ao limite absoluto, que sua paciência esteja esgotada; — se for esse o caso, então 25 minha miséria também me levaria ao ponto de não ser mais digno de você. — Mas antes disso, eu lhe digo apenas isto: — não considere nossa situação atual um mero acidente desta vida; veja-a como um evento da maior importância em sua vida e na minha, — e, de fato, é isso que é, — é o meu renascimento. Acredite em mim, — se meu espírito se desdobrar novamente de forma rica e bela, — o que agora me faz perder a esperança,


— então ele não permanecerá oculto do mundo que o salvou. Considere, meu Teodoro, o que tudo isso significa! Não estou lhe pressionando contra seus desejos mais profundos; um fim rápido é melhor do que um lento. Esse seria o resultado deste ano! Comecei esta carta em meio às emoções mais intensas, e mais lágrimas correram dos meus olhos do que palavras da minha pena; foi benéfico:


Agora alcancei um repouso sagrado; confessei-me e a absolvição está com você.


Espero poder partir daqui amanhã; e irei até você um dia depois desta carta; como você me receberá? Devo chegar a Magdeburgo no dia 28 deste mês; se conseguirei, depende de vocês.


Meu Deus, meu Deus, quão longe cheguei! Se vocês me abandonarem agora, terei chegado o mais longe possível! Adeus, adeus! Lembrem-se de mim!





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