cartas wagner semper 1965

 


Während Semper mit diesen Studien beschäftigt

war, empfing er von Wagner die beiden nachfolgenden

Briefe vom 12. Januar und vom 15. februar.


München, 13. Dezember 1864.

Briennerstraße 21.

Lieber Semper!

Der König von Bayern wünſcht, daß Du in

ſeinem Auftrage in München ein großes Theater im

edelsten Stile, zu dem besonderen Zwecke, den ich sofort

andeuten will, bauen sollst.

Mein junger Beſchüßer hegt tief den Glauben an

die Wahrhaftigkeit meines Ideales in Betreff eines

dramatischen Kunstwerkes, welches sich vom modernen

Schauspiele wie von der Oper wesentlich und wichtig

unterscheidet. Um verständliche Aufführungen in diesem

Stile zu erzielen, will er mit mir vollständig von dem

Versuche, dieselben in unser gewöhnliches Theaterrepertoir

einzureihen, abſehen und beabsichtigt, das Ausnahmsweise

solcher Aufführungen schon damit genau zu bezeichnen,

daß sie nicht in dem täglich besuchten Operntheater,

sondern in einem eigens für sie errichteten, nur zu dieſem

Zwecke bestimmten besonderen Theater in Zukunft ſtatt-

finden sollen.

.

Zunächst ist dem König die Anregung hierzu aus

meinem Vorwort zu dem dramatischen Gedichte „der

Ring der Nibelungen" entstanden. Nachdem er mich

Manfred Semper, Das Münchener Festspielhaus.

eauftragt, dieses Werk zur Aufführung im Sommer des

Jahres 1867 zu vollenden, glaubte er sich auch verbunden,

für die Herstellung des ron mir gewünschten Theaters

zu sorgen. Neuerdings iſt er für dieſe Idee so enthuſiaſtiſch

eingenommen worden, daß er mir vorschlug, nicht erst

ein provisorisches Theater in Holz, sondern sofort das

würdig in Stein und edlem Material auszuführende in

Auftrag zu geben.

Ich habe ihm hiergegen eingewendet, daß ich nicht

die Verantwortung für das Gelingen eines solchen Baues,

namentlich in Betreff der problematischen inneren Ein-

richtung übernehmen könnte, daß ich eine solche Aufgabe

nur einem wirklichen Baugenie mit Ruhe zugetheilt wissen

würde und als solches einzig Dich, lieber Semper, be-

zeichnen könnte. Dies genügte, um den König sofort zu

dem Auftrag an mich zu beſtimmen, Dich zu fragen, ob

Du es übernehmen wolltest, ein solches Theater zu bauen.

Hiermit ist mein Auftrag zu Ende. Ich füge

für den Fall, daß Du dem Wunsch des Königs von

Bayern willfahren willst, die Bemerkung bei, daß es mir

vorsichtiger und außerdem zweckmäßiger erscheint für das

erste, aber sofort die Konstruktion eines provisoriſchen

Theaters in Holz und etwa Backstein in Ungriff zu

nehmen. Vor allem wäre mir es lieb, ein solches

Theater scdes definitiven in edelstem Material auszuführenden

Gebäudes, welches dann, dem Sinne seines Gründers

gemäß als ein bedeutungs- und lebensvolles Monument

der deutschen Nation hinterlassen werden soll.

Nach diesen Mittheilungen habe ich gewiß nicht

nöthig, Dich auf die Schönheit und unvergleichliche Ernſt-

haftigkeit des Verhältnisses und der Person hinzuweisen,

zu welchen Du jest herangezogen werden sollst. Nur

erlaube mir auf etwas zu deuten, was Dir kürzlich be-

fremdlich erschienen sein mag. Daß die Weigerung des

jungen Königs Dir wie mir den vom Kapitel vor-

geschlagenen Maximilians-Orden zu verleihen, nicht auf

Geringschätzung Deiner Person bezogen werden kann, ist

Dir wohl schon daraus klar geworden, daß die Weigerung

auch mich, seinen ausgesprochenen Freund, betraf. Die

Erklärung dieses sonderbaren Vorganges muß ich mir

für eine spätere Zeit vorbehalten. Für jezt laſſe Dir

versichert sein, daß nichts der Innigkeit, Ciefe, Energie

und Idealität gleichen kann, mit welcher dieſer junge

wunderbar begabte König sich dem Edelsten und

Erhabensten weiht.

Laß mich bald hören und ſei auf das herzlichſte

gegrüßt von Deinem treu ergebenen

R. W."

Betrachte diesen Brief als offiziell und antworte

ihm so.

Von Herzen wünſche ich, daß Du wohl und guter

Laune Deine Rückreise zu Stande gebracht haben mögest,

ich hoffe in allerkürzester Zeit in voller Thätigkeit Dich

wieder bei uns zu sehen.

Von Herzen grüßt Dich Dein ergebener Freund

12. Januar 1865.

R. W.

Enquanto Semper se dedicava a esses estudos,


ele recebeu as duas cartas seguintes de Wagner, datadas de 12 de janeiro e 15 de fevereiro.


Munique, 13 de dezembro de 1864.


Briennerstrasse 21.


Caro Semper!


O Rei da Baviera deseja que você, por sua


encomenda, construa um grande teatro em Munique no


estilo mais nobre, para o propósito específico que irei sugerir imediatamente.



Meu jovem comitente acredita profundamente na


veracidade do meu ideal a respeito de uma


obra de arte dramática, que difere significativamente e de forma importante do


drama e da ópera modernos.



Para alcançar apresentações compreensíveis neste


estilo, ele deseja abster-se completamente de


tentar integrá-las ao nosso repertório teatral habitual


e pretende definir a natureza excepcional


de tais apresentações precisamente pelo fato de que elas não ocorrerão na casa de ópera que frequentamos todos os dias,


mas sim em um teatro especial construído especificamente para elas, dedicado exclusivamente a este


propósito.


O rei foi inicialmente inspirado a fazer isso por


meu prefácio ao poema dramático "O


Anel do Nibelungo". Depois de me encomendar


Manfred Semper, do Festival de Munique,


a conclusão desta obra para apresentação no verão de


1867, ele também se sentiu obrigado


a garantir a construção do teatro que desejava.


Recentemente, ele ficou tão entusiasmado com essa ideia


que sugeriu que eu encomendasse não


um teatro de madeira temporário primeiro, mas imediatamente


um teatro construído dignamente em pedra e outros materiais nobres.


Opus-me a isso, afirmando que não podia


assumir a responsabilidade pelo sucesso de tal edifício,


particularmente no que diz respeito ao problemático projeto de interiores,


que sentia que tal tarefa


só poderia ser confiada com serenidade a um verdadeiro gênio da arquitetura,


e que somente você, caro Semper, poderia ser considerado como tal.


Isso foi suficiente para levar o rei a imediatamente


encomendar-me que lhe perguntasse se


você aceitaria a construção de tal teatro.


Com isso, minha encomenda está concluída. Acrescento:


caso deseje atender ao pedido do Rei da


Baviera, observo que me parece


mais prudente e também mais prático


iniciar imediatamente a construção de um teatro provisório


em madeira e talvez tijolo.


Acima de tudo, gostaria de ver um teatro como este


substituído por um edifício definitivo, construído com os melhores materiais,


que, de acordo com os desejos de seu fundador,


seja deixado como um monumento significativo e vibrante


para a nação alemã.


Após estas observações, certamente não


preciso chamar sua atenção para a beleza e incomparável seriedade


da relação e da pessoa


a quem você agora deve se dirigir. Permita-me apenas


algo que pode ter lhe parecido estranho recentemente.


Que a recusa do


jovem rei em lhe conceder, assim como a mim, a Ordem de Maximiliano proposta pelo capítulo,


não pode ser atribuída a


desprezo pessoal, provavelmente já lhe ficou claro


pelo fato de que a recusa


também me afetou, seu amigo declarado.


A explicação deste acontecimento peculiar devo reservar


para um momento posterior. Por ora, permita-me


assegurar-lhe que nada se compara ao fervor, zelo, energia


e idealismo com que este jovem


rei maravilhosamente talentoso se dedica ao mais nobre e


sublime.


Espero receber notícias suas em breve, e com as mais calorosas saudações


do seu mais devotado


R. W."


Considere esta carta oficial e responda


de acordo.


Espero sinceramente que tenha concluído sua viagem de volta para casa em segurança e com bom ânimo.


Espero vê-lo de volta conosco em plena atividade muito em breve.


Com sinceras saudações do seu devotado amigo


12 de janeiro de 1865.


R. W.

20


Richard Wagner an Semper.

„Lieber Freund!

Soeben war Staatsrath Pfistermeister, vom König

gesendet, wieder bei mir. Man wünscht, Du möchtest

diese Ostern noch einmal nach München kommen, um

Dich selbst genau nach dem Dir geeignet dünkenden Bau-

plak für das beabsichtigte Festtheater umzusehen und

Alles für Deine Arbeiten Nöthige an Ort und Stelle nach

Deinem Wunsche einzurichten. Ich habe ihm nun ge-

sagt, er möge selbst den Auftrag des Königs über-

nehmen und an Dich schreiben, dies hat er denn über-

nommen und nun wollen wir einmal sehen, was daraus wird.

Die Sache ist so wie Du Dir wohl leicht selbst

denken kannst. Der König will und das Cabinet mit

der Königin Mutter und verſchiedenem anderen Perſonal

dahinter, versuchen ihr Möglichſtes ihn davon abzubringen.

Noch vor wenigen Tagen glaubte mir Pfistermeiſter mit-

theilen zu müssen, der König sei neuerdings entſchloſſen

das Probetheater im Cryſtallpalaſt und zwar sogleich

ausführen zu laſſen, dagegen mit dem definitiven Pracht-

bau noch zu warten bis mehr Geld da ſei. Pecht hatte

sich in Betreff der Neureuther'schen Intervention für die

Hilfsarbeiten langweilig gemacht, indem er eine Königliche 21

-

Autorisation für diese Aufgabe forderte: hiergegen hatte

das Cabinet wieder intriguirt. Gestern schreibt mir nun

der König wieder und verlangt sehnsüchtig nach Deinen

Plänen. Ich sehe, er ist fest — fester und bedeutender

als seine Leute noch glauben möchten. Ich erfahre das

in vielen anderen Dingen und gestehe Dir, daß ich den

jungen Mann für sehr bedeutend und von ganz vorzüg-

lichen Anlagen des Geistes und Charakters halte. Heute,

wie gesagt, kam nun Pf. wieder und ich sehe, ſie kriegen

den König nicht herum. Jedoch übernahm ich nun keine

Vermittelung mehr und, wie bereits gemeldet, beſtand

ich auf fernerem directen Verkehr zwischen Dir und dem

Cabinet.

Du wirst demnach in diesen Tagen die Einladung

des Königs, bald wieder hierherzukommen, erhalten,

natürlich kann ich mir nicht nehmen, dieſem die herzliche

Bitte beizufügen, Du möchtest dieser Einladung folgen.

Der Gegenstand, um den es sich handelt, ist immerhin

ungemein intereſſant und lohnend. Ich bin gegenwärtig

mit der Abfassung eines sehr umfaſſenden Berichtes über

die betreffenden Kunstpläne, in welche auch das Theater

eingeschlossen ist, beschäftigt: auch dieser projektierte The-

aterbau muß nun allmählich seine wahre Bedeutung er-

halten und aus der Rubrik einer bloßen jugendlichen

Kunstliebhaberlaune heraustreten. Ich zweifle nicht, daß

Alles zu Stande kommen wird und Du bald Freude an

der Sache erleben wirst. Komme also bald

Mit herzlichen Grüßen bin ich Dein stets ergebener

R. W.

München, 21. März 1865.“


Richard Wagner em Semper.

... “Caro amigo!


O Conselheiro de Estado Pfistermeister, enviado pelo Rei,


acabou de estar aqui novamente. Eles esperam que você


venha a Munique novamente nesta Páscoa para


inspecionar o local que considera adequado para o teatro do festival planejado e


organizar tudo o que for necessário para o seu trabalho no local, de acordo com seus desejos.


Eu lhe disse para


aceitar pessoalmente a incumbência do Rei e escrever para você, o que ele fez,


e agora veremos o que acontece.


A situação é como você pode facilmente


imaginar. O Rei e o Gabinete, com


a Rainha Mãe e vários outros membros da equipe,


estão fazendo o possível para dissuadi-lo.


Há poucos dias, Pfistermeister sentiu-se compelido a me informar que o Rei havia decidido recentemente


mandar construir imediatamente o teatro de ensaio no Palácio de Cristal,


enquanto aguarda a construção definitiva e magnífica


até que mais verba esteja disponível. Pecht


tornou-se incômoda em relação à intervenção de Neureuther para a


obra auxiliar, exigindo uma autorização real


para esta tarefa: contra isso,


o Gabinete voltou a conspirar. Ontem,


o Rei escreveu-me novamente, solicitando ansiosamente os seus


planos. Vejo que ele é firme — mais firme e mais significativo


do que o seu povo ainda possa acreditar. Percebo isso


em muitas outras coisas e confesso-lhe que considero o


jovem muito importante e de excelentes


qualidades intelectuais e de caráter. Hoje,


como eu disse, a Sra. voltou, e vejo que ela está a tratar


com o rei. No entanto, deixei de assumir


a mediação e, como já mencionei, insisti


na comunicação direta contínua entre si e o


Gabinete.


Portanto, receberá o convite do rei


para regressar aqui em breve, nos próximos dias.


É claro que não posso deixar de acrescentar o sincero


pedido que aceite este convite.


O assunto em questão é, afinal,


extremamente interessante e valioso. Estou Atualmente


estou ocupado escrevendo um relatório bastante completo sobre


os planos artísticos relevantes, que também incluem o teatro: este teatro planejado


deve agora gradualmente adquirir seu verdadeiro significado e deixar de ser apenas um capricho juvenil


de um amante da arte. Não tenho dúvidas de que


tudo se concretizará e você logo experimentará a alegria disso.


Portanto, venha logo


Com os mais cordiais cumprimentos, permaneço seu sempre sinceramente,


R. W.


Munique, 21 de março de 1865.


Richard Wagner para Semper.


“Caro amigo!

O Conselheiro de Estado Pfistermeister, enviado pelo Rei, esteve aqui novamente. Eles desejam que você venha a Munique nesta Páscoa para inspecionar pessoalmente o local da construção que você considera adequado para o futuro teatro do festival e para providenciar tudo o que for necessário para o seu trabalho no local, de acordo com seus desejos. Eu lhe disse para aceitar a incumbência do Rei e escrever para você, o que ele fez, e agora veremos o que acontece. A situação é como você pode facilmente imaginar. O Rei quer isso, e o Gabinete, com a Rainha Mãe e várias outras pessoas por trás dele, estão fazendo o possível para dissuadi-lo. Há poucos dias, Pfistermeister sentiu-se compelido a me informar que o Rei havia decidido recentemente abandonar o teatro de ensaio no Palácio de Cristal e, de fato, construir imediatamente o novo, enquanto aguarda o magnífico edifício definitivo até que mais dinheiro esteja disponível. Pecht se mostrou inflexível em relação à intervenção de Neureuther para a obra auxiliar, exigindo uma autorização real 21-21 para essa tarefa: contra isso, o Gabinete novamente entrou em ação. Ontem, o Rei escreveu Ele me dirigiu novamente a palavra, solicitando ansiosamente seus planos. Vejo que ele é firme — mais firme e mais importante do que seu povo ainda possa acreditar. Constato isso em muitas outras questões e confesso que considero o jovem muito importante e de excelentes aptidões intelectuais e de caráter. Hoje, como eu disse, o Sr. voltou, e vejo que não conseguiram persuadir o Rei. Contudo, não me submeti mais a nenhuma mediação e, como já relatei, insisti em uma comunicação direta mais ampla entre você e o Gabinete.


Portanto, você receberá nos próximos dias o convite do Rei para retornar em breve. Naturalmente, não posso deixar de acrescentar o sincero pedido para que aceite este convite.


Afinal, o assunto em questão é imensamente interessante e valioso. Atualmente, estou ocupado escrevendo um relatório bastante completo sobre os planos artísticos relevantes, que também incluem o teatro: este edifício teatral planejado também deve agora adquirir gradualmente seu verdadeiro significado e deixar de ser apenas um capricho juvenil de um amante da arte. Não tenho dúvidas de que tudo se concretizará e que você em breve experimentará a alegria de... Então venha logo. Com os mais calorosos cumprimentos, permaneço seu sempre devotado R. W.

Munique, 21 de março de 1865.


München, den 27. April 1865.

Am 10. Mai erfolgte die Zusendung der ersten

Pläne für das provisoriſche Theater an Richard Wagner

mit dem in Nachstehendem wiedergegebenen eingehenden

Begleitschreiben Sempers.**)



„Hottingen b. Zürich, d. 10. Mai 1865.

Lieber Freund Wagner!

Schon seit mehreren Wochen bewahre ich einige auf Deine Pläne bezügliche Vorarbeiten bei mir in der Mappe, ohne bis jezt den rechten Muth gefaßt zu haben, damit herauszutreten, da ich ihre Unzulänglichkeit gar wohl erkenne und zugleich daran denke, wie Dich jest

Dein Tristan beschäftigen muß.

Deine Vorbeurteilung dieser Skizzen ist durchaus

nothwendig ehe dieselben Sr. Majestät dem König vorgelegt werden, auch wünschte ich, daß Du vorher mit Herrn Staatsrath von Pfistermeister über Werth und

Ausführbarkeit derselben eingehende Rücksprache nähmeſt,

denn ich fürchte sehr, daß in Beziehung auf lettere,

nämlich auf Ausführbarkeit der Pläne, sich gegen die-

selbe ernste Bedenken erheben werden indem es vielen

scheinen wird, als werde durch einen Einbau, wie ich ihn

projektirte für längere Zeit dem Publikum der Genuß

des großartigen Gesammteindruckes des inneren Palastes

entzogen und lehterer seiner Bestimmung entfremdet.

Vielleicht aber laſſen ſich Mittel finden, diesen Be-

denken gleich Anfangs zu begegnen. So z. B. würde

ich vorschlagen, daß man für die Zeiten von Festfeiern,

in denen auf der eingebauten Bühne Vorstellungen ge-

halten würden, die Entreebillets für den Eintritt in den

ganzen Palast am Eingange desselben zu lösen hätte und

daß dieser Palast nach wie vor einen ungetrennten ein-

heitlichen Festplatz bilde, worauf dem Publikum in ver-

schiedenartigſter Weise Gelegenheit zu höherem Kunſt-

und Naturgenuß sich biete: als höchste Steigerung das

musikalische Drama.

Zu diesem Zwecke wäre dann der Gesammtraum

dreitheilig zu gliedern, in der hohen Mittelhalle die

Skena mit dem Theatron, rechts und links davon zwei

große Festhallen die eine links oder rechts als Ver-

ſammlungs- und Converſationsfaal, als großartiges foyer

für das Gewoge der Menge vor der Vorstellung und in

den Zwischenakten, die andere, entgegengesette als Ban-

quetsaal. Dort ließen sich unter erotischem Grün um-

geben von Werken der bildenden Künste nach der Vor-

stellung die herrlichsten Soupers veranſtalten.

ur Erklärung meiner Pläne dann noch kürzlich

folgendes:

Es sind deren zwei, der erste aus 5 Blättern be-

stehend, davon jedes mit der Ueberschrift „Projekt A“

versehen ist, wurde mit besonderer Berücksichtigung der

Gesammtwirkung des Palaſtes, deren möglichste Erhal-

tung mir am Herzen liegt, verfaßt. Nach ihm wird die

Einheitlichkeit des Gesammtbaues am wenigsten gestört.

Der Einbau soll gerade nur den hohen inneren Raum

des Mittelpavillons einnehmen, deſſen Höhe für die Er-

forderniſſe der Bühne und des versenkten Orchesters noth-

wendig ist. Das eigentliche Theatron, d. h. der Zuschauer-

raum müßte wegen des Orchesters und der Böden unter

der Bühne bedeutend überhöht werden. Es ist durch

zwei beliebig zu dekorierende große Freitreppen von den

beiden Seitenhallen aus zugänglich. Zudem sind die

schon vorhandenen Treppen (vier an der Zahl) für die

Kommunikation mit dem höheren Boden des Auditori-

ums und der Bühne sehr bequem gelegen.

Die Einrichtung des Zuschauerraumes ist so ein-

fach, daß sie kaum einer Erklärung bedarf. Er enthält

ungefähr 1000 Sigpläge von bequemer amphitheatraliſcher

Anordnung. Nach antikem (römischem) Gebrauche würde

der Hof und die bevorzugteren Zuſchauer auf beweglichen

Stühlen in der sog. Orchestra, d. h. hier in dem Halb-

kreise, der das Centrum des Theaters zunächst umgiebt,

Plak nehmen. Jedoch habe ich für S. Maj. und die

königl. familie noch eine besondere Loge beſtimmt, die

wie eine Aedicula mit ihrem Giebel das Gebälke der oberen sich im Bogen um den Saal herumziehenden

Säulenhalle hoch überragt. Hinter dieser Loge befinden

sich noch Räume zum Aufenthalte für den Hof während

der Zwischenakte.

Das Proscenium ist in seiner Einrichtung ein Er-

gebnis der beiden Vorbedingungen einer Scenenbeleuchtung

von Oben und eines versenkten (unsichtbaren) Orchesters.

Hieraus erklärt sich die Tiefe des Prosceniums, welche im

übrigen auch insofern wohlthuend sein wird, als durch

sie die in den gewöhnlichen Theatern zumeist vermißte,

so nothwendige Trennung der realen von der Bühnenwelt

vermittelt wird. Die Beleuchtung wird nach den jedes-

maligen Erfordernissen der Scenerie beliebig regulirt,

indem man das Licht allseitig oder nur von einer Seite

oder von der Mitte aus wirken läßt, es konzentrirt oder zer-

streut, vermehrt oder dämpft, je nach Umständen. Dabei

bemerke ich, daß neben dieser Beleuchtung auch die ge-

wöhnliche von unten, die sogenannte Rampe, beibehalten

werden muß. Die Beleuchtungsmittel können nie zu weit

gehen, auch steht es ja frei, sie unbenutzt zu laſſen, wo

sie schaden könnten. Das Licht von der oberen (hohen)

Bühnenrampe fällt im Winkel von 45 Grad auf den

vorderen Rand der Bühne, zu welchem Zwecke die Vor-

bühne mehr als die gewöhnliche Tiefe erhalten mußte.

Diese größere Tiefe wird aber auch sonst erforderlich,

nämlich für den Musikboden. Ich mußte dieſen von dem

Auditorium etwas ferne halten und versenken, um ihn

unsichtbar zu machen. Eine Schwierigkeit stellt sich bei

dieser versenkten Lage des Orcheſters in der Frage heraus,

wie der Kapellmeister zu placieren sei, der einerseits mit er Bühne verkehren, andererseits von seinem Orcheſter *

nicht zu weit entfernt sein darf.

Die Ueberhöhung des Zuschauerraumes gestattet

die Benuhung der unteren Räume zu Kommunikationen

und anderen Zwecken.

Ich bemerke noch zu diesem Projekte, daß ich

dabei an plastischen Schmuck des Prosceniums und der

das Auditorium umgebenden Säulenhallen gedacht habe,

daß die Ausstattung aber auch einfacher durch Dekorations-

malerei bewerkstelligt werden kann, nach der Art wie ich

ſie im 2. Projekt angedeutet habe.

Dieses lettere unterscheidet sich von dem bereits

besprochenen dadurch, daß die Bühne einen von dem

Auditorium gänzlich getrennten ſelbſtſtändigen Bau bildet,

nach der Art der alt-griechischen Theater, während das

andere mehr nach römischer Weise beide Hauptbestandteile

in Eins verbindet. Dabei ist nach diesem zweiten Projekte

das Auditorium in einem Halbkreise gebildet und be-

deutend umfangreicher, indem es mit seinem äußersten

Halbkreise beiderseits über den Bereich des hohen Mittel-

schiffes hinausgeht. So gewinnt man ungefähr Raum

für 1500 Sikpläge mit Einſchluß der oberen Gallerie-

pläge. Die ſtörenden Seitenaussichten an der Bühne vor-

bei in das Eisengerüft des Glaspalastes werden verhindert

durch zwei Theatervorhänge mit gemalter Architektur und

Landschaft etwa so wie in der Farbenskizze von mir_an-

gedeutet worden ist.

Wie bei dem ersten Plane führen außer den vor-

handenen noch zwei besonders zu konstruirende Treppen

an den beiden Endflügeln der halbkreisförmigen Pfeilerhalle des Auditoriums auf lettere und zu den oberen Sitz-

reihen. Die Einrichtung der Vorbühne und des Musik-

bodens sind fast die gleichen wie diejenigen im ersten

Projekt, nur daß die Vorbühne als leichter Bretterbau

für nur gemalte Dekoration berechnet ist. Die eigentliche

Bühne ist hier beschränkter, wegen des erweiterten Zu-

schauerraumes. Die Details der Konstruktionen habe ich

noch weggelaſſen, da es sich zuerst noch um den räumlichen

Gedanken handelt, der sich, wie ich glaube, in beiden

Projekten genügend klar ausspricht. Die Detailausführung

würde dann keine Schwierigkeiten bieten, wenn erſt über

die Idee entschieden ist.

Die Skizzen für das monumentale Theater, das

ich mir auf dem erhöhten Ufer der Isar, unweit des

Maximilianeum und rechts davon errichtet denke, habe

ich vorbereitet. Doch wünsche ich, bevor ich sie firire,

gerne zu wiſſen was Deine Meinung ist in Betreff der

Andeutungen die in den anbei verabfolgten Projekten

enthalten sind.

Ich schließe diesen langen Brief mit den herz-

lichsten Grüßen und Empfehlungen an Staatsrath

Pfistermeister, Bülow's und alle theueren Bekannte in

München.

Gerne würde ich zu der ersten Vorſtellung Deines

Triſtan hinüberkommen, wäre ich nicht an Ort und Stelle

gefesselt.

Dein Freund Gottfried Semper.“

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Das Münchener Festspielhaus :
Gottfried Semper und Richard Wagner /
von Manfred Semper.


Alltag und Kult: Gottfried Semper, Richard Wagner, Friedrich Theodor Vischer, Gottfried Keller


Die Richard Wagner-Bühne König Ludwigs II. München: Prestel-Verlag, 1970.

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